KPMG-Studie: Profile of a Fraudster
Berlin, 17.04.07. Bei jeder zweiten Wirtschaftsstraftat in Europa entstanden Schäden von mehr als einer Million Euro. In jedem zehnten von insgesamt 360 untersuchten Fällen belief sich der Schaden auf über zehn Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommt die "Profile of a Fraudster-Studie 2007", die KPMG in der EMA-Region (Europa, Naher Osten, Indien und Afrika) durchgeführt hat.
Die Untersuchung zeigt, dass Wirtschaftskriminalität nicht nur ein Problem von großen Unternehmen ist, sondern immer öfter auch in mittleren und kleinen Unternehmen vorkommt. Die häufigsten Delikte waren klassische Vermögensschäden, aber auch die Gewährung und Annahme von Vorteilen. Betroffen waren vorrangig geldnahe Bereiche wie Finanzen und Vertrieb. Dieter John, KPMG-Partner und Leiter des Bereichs Forensic: "Neben den unmittelbar verursachten Schäden spielt auch der Imagefaktor eine große Rolle. Dieser Schaden ist kaum quantifizierbar."
Vor allem Habgier und das Erkennen einer günstigen Gelegenheit waren in den untersuchten Fällen das Motiv. Bei fast der Hälfte der Fälle wurde die Tat zudem durch unzureichende interne Kontrollen erleichtert. Über 90 Prozent der Täter waren Wiederholungstäter. Jeder Dritte handelte mehr als 50-mal in wirtschaftskrimineller Absicht. Ganz überwiegend waren die Täter Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens; jeder Fünfte arbeitete kollusiv mit jemandem außerhalb des Unternehmens zusammen. Aufgedeckt werden konnten kriminelle Handlungen in erster Linie durch anonyme Hinweisgeber (whistle blowers) und Management Reviews.
Über die Gründe für das Entstehen von Wirtschaftskriminalität ist immer noch wenig bekannt. Daher hat KPMG für diese Untersuchung mit dem renommierten Leipziger Kriminologen und Strafrechtler Prof. Dr. Hendrik Schneider zusammengearbeitet, der mit dem so genannten "Leipziger Verlaufsmodell" Determinanten zur Entstehung von Wirtschaftskriminalität entwickelt hat. Dieter John: "Durch den Austausch von Wissenschaft und Praxis können wir das Phänomen Wirtschaftskriminalität immer mehr verstehen lernen. Wir suchen daher bewusst diese Zusammenarbeit mit dem Ziel, immer bessere Präventionskonzepte für Unternehmen zu entwickeln. Zwar gibt es keinen absoluten Schutz gegen Wirtschaftskriminalität. Aber es gibt vielfache Ansatzpunkte, um dem Risiko wirtschaftskrimineller Handlungen wirksamer zu begegnen."
Mehr Informationen finden Sie in der KPMG-Studie "Profile of a Fraudster (PDF, 678 KB).
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