Presse-Archiv
 

KPMG-Umfrage: Versicherungsbranche steht vor zunehmender Konsolidierung

Auswirkungen auch auf deutschen Markt erwartet

Berlin, 08.05.06. Die internationale Versicherungsbranche rechnet mit einer deutlichen Marktbereinigung. So erwarten fast drei Viertel der Unternehmen (71 Prozent), dass sich die Konsolidierung der Branche aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs in den kommenden drei Jahren beschleunigen wird - vor allem in Europa. Hier gehen zwei Drittel der Versicherer (64 Prozent) von eine weiteren Konsolidierung auf ihren Heimatmärkten aus. Im asiatisch-pazifischen Raum sind es nur 43 Prozent. Die große Mehrheit der Unternehmen (85 Prozent) bezeichnet die Wachstumschancen am internationalen Versicherungsmarkt in den kommenden drei Jahren als "gut" oder "sehr gut". Das hat eine Umfrage von KPMG unter rund 200 Versicherungsgesellschaften in aller Welt ergeben.

Vincenzo Braiotta, Partner im Bereich Advisory bei KPMG: "Die Kapitalausstattung der Versicherungen hat sich nach den Turbulenzen am Kapitalmarkt inzwischen stabilisiert, sodass sich die Versicherungswirtschaft jetzt wieder auf das Ziel Wachstum konzentrieren kann. Dabei stellt sich für international tätige Unternehmen die Frage, ob dies organisch oder durch Akquisitionen erreicht werden soll."

Asiatische Unternehmen setzen auf organisches Wachstum
Je nach Region und Größe der Unternehmen wird diese Frage sehr unterschiedlich beantwortet. Während immerhin für jeden dritten europäischen Versicherer (32 Prozent) bei der Wachstumsstrategie Akquisitionen im Vordergrund stehen, sind es im asiatisch-pazifischen Raum nur 17 Prozent. Dort wiederum halten 79 Prozent ein organisches Wachstum für wichtiger.

81 Prozent der Versicherer mit einem jährlichen Prämienvolumen von über 500 Mio. US-Dollar sind bereits auf der Suche nach Akquisitionsmöglichkeiten oder würden bei entsprechender Gelegenheit akquirieren. Bei den kleinen Unternehmen sind es indes nur knapp zwei Drittel.

Von den befragten Versicherern beabsichtigen 40 Prozent eigenen Angaben zufolge in den kommenden drei Jahren bis zu 500 Mio. US-Dollar für Übernahmen auszugeben. In Europa - wo fünf der sechs weltgrößten Versicherer ansässig sind - rechnen die Befragten sogar mit Ausgaben von mehr als 3 Milliarden US-Dollar im selben Zeitraum. Dabei waren europäische Unternehmen bereits in den vergangenen drei Jahren im Vergleich zu Nordamerika und dem Raum Asien-Pazifik aktiver: Hier hat seit 2003 jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) mindestens einen Wettbewerber übernommen.

Wachstumspotenziale in Indien und China
Von allen Akquisitionen der letzten Jahre erfolgten nur rund ein Viertel grenzüberschreitend, mehrheitlich jedoch innerhalb einer Region (Europa, Nordamerika oder Asien-Pazifik). Die Mehrzahl der Befragten (58 Prozent) ist heute der Ansicht, dass Indien und China die besten Wachstumspotenziale bieten.

Haupthemmnisse für Akquisitionen
Fast ein Drittel der Befragten sehen regulatorische Bestimmungen als eine wesentliche Hürde bei Akquisitionsaktivitäten an. Diejenigen Befragten, die sich bereits in konkreten Akquisitionsgesprächen befunden hatten, nannten als Hauptursache für das letztendliche Scheitern überhöhte Kaufpreisforderungen. Häufig wurde auch das Fehlen von geeigneten Zielunternehmen genannt. 
 

Finanzierung durch Eigenmittel und Private Equity
Die Finanzierung der Akquisitionen soll nach Auskunft aller Befragten in den nächsten drei Jahren überwiegend aus Liquiditätsreserven erfolgen. Bei kleinen Versicherungsunternehmen (Prämieneinkommen unter 500 Millionen US-Dollar) gab jedes fünfte Unternehmen ein Private Equity-Investment als angestrebtes Hauptfinanzierungsmittel an. Größere Versicherer (ab 500 Millionen US-Dollar) wollen auch auf Aktienemissionen (18 Prozent) und Unternehmensanleihen (13 Prozent) zurückgreifen.

Vincenzo Braiotta, Partner im Bereich Advisory bei KPMG: "Die vorliegende Umfrage zeigt, dass in der globalen Versicherungswirtschaft in den nächsten drei Jahren ein zunehmender Konzentrationsprozess erwartet wird. Nachdem die Belastungen aus der Krise am Kapitalmarkt und der konjunkturellen Schwäche überwunden sind, wird dies auch Auswirkungen auf den deutschen Versicherungsmarkt haben. Die Bestrebungen nach mehr Transparenz im Kapitaleinsatz durch die Solvenzerfordernisse werden diesen Prozess beschleunigen."


Pressekontakt:
KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft
Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Marita Reuter/Thomas Blees
T +49 30 20 68-11 18,
F +49 30 20 68-11 48
E-Mail: mreuter@kpmg.com / tblees@kpmg.com
KPMG im Internet: http://www.kpmg.de/