KPMG-Umfrage: Bedeutung von Forschung und Entwicklung (F&E) in der Automobilbranche wächst
Berlin/Stuttgart, 26.01.05. Innovationsproduktivität ist in der Automobilindustrie der Schlüssel zur nachhaltigen Profitabilitätssteigerung. Je höher der Umsatzanteil der Neuprodukte im Verhältnis zum Umsatzanteil des F&E-Budgets ist, desto stärker wächst die Profitabilität des Unternehmens. So konnten Autohersteller und -zulieferer mit hoher F&E-Produktivität ihre Profitabilität (gemessen am Wachstum des EBIT) von 2000 bis 2003 um 25 Prozent steigern. Unternehmen mit geringer F&E-Produktivität erreichten nur rund 11 Prozent Profitabilitätszuwachs. Das hat eine gemeinsame Studie von KPMG, dem Werkzeugmaschinenlaboratorium der RWTH Aachen und dem Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie ergeben, bei der Ende 2004 rund 100 deutschsprachige Unternehmen befragt wurden.
Immer mehr Unternehmen wissen um die wachsende Bedeutung von Forschung und Entwicklung. So wird in der Automobilbranche der durchschnittliche Anteil des F&E-Budgets am Umsatz in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,4 Prozent steigen (nach 4,1 Prozent in 2003). Dieter Becker, Partner im Bereich Automotive bei KPMG: "Neuprodukte - also solche, die im Laufe der letzten vier Jahre auf den Markt gekommen sind - leisten einen kontinuierlich wachsenden Beitrag zum Umsatz. Für dieses Jahr wird erwartet, dass sie bereits 45 Prozent ausmachen. In unserer Umfrage hat sich die Mehrheit der Unternehmen der Differenzierungsstrategie zugeordnet. Wer diese Strategie verfolgt, muss jede Chance nutzen, sich gegenüber den Wettbewerbern abzuheben. Innovative Produkte werden zum Zünglein an der Waage, ein optimierter F&E-Prozess zur Bedingung. Diese Herausforderung scheinen die Unternehmen erkannt zu haben."
Erfolgreiche Unternehmen "leben" ihre Entwicklungsprozesse
Wie die Umfrage ergab, hängt die zuverlässige Abwicklung von F&E-Projekten von zwei Faktoren ab: der Prozessbeherrschung und der Projektsystematik. Prozessbeherrschung zeigt sich zum einen darin, ob ein Unternehmen seine Entwicklungsprozesse lebt. Dem stimmten die erfolgreichen Unternehmen (hier gemessen an den Kriterien on time, on budget sowie on target cost) sehr viel deutlicher zu als die weniger erfolgreichen Unternehmen. Über die Projektsystematik verfügen ebenfalls eher die erfolgreichen als die weniger erfolgreichen Unternehmen. Dieter Becker: "Unternehmen mit einer zuverlässigen Projektabwicklung geben eher Entwicklungsziele vor, dokumentieren ihre Entscheidungen und legen im Voraus Abbruchkriterien für ihre F&E-Projekte fest."
Management von Ressourcenengpässen zentrale Herausforderung
Wesentliche Voraussetzung für einen finanziell erfolgreichen Projektabschluss ist der reibungslose Ablauf eines F&E-Projektes. Verzögern sich F&E-Projekte, so wird dies vor allem auf den Mangel an qualifiziertem Personal (69 Prozent) sowie unerwartete Kostenanstiege während des Projektes (46 Prozent) zurückgeführt. Für Projektabbrüche machen die Befragten in erster Linie unternehmensinternen Widerstand (40 Prozent), unzureichende Reaktionen erster Testkunden sowie fehlende Finanzierungsmittel (jeweils 37 Prozent) verantwortlich. Mangelnde Kompetenzen beziehungsweise Marktkenntnisse spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Das Management der zentralen Ressourcen Personal und Finanzen zeigt sich als wirksamer Ansatzpunkt, um Projektverzögerungen zu reduzieren.
Dieter Becker: "Der aktuelle Trend in der Automobilbranche, immer mehr Modelle in immer kürzerer Zeit auf den Markt zu bringen, um sowohl die Haupt- als auch die Nischenmärkte bedienen zu können, unterstreicht die Forderung nach effektivem F&E-Management." Nur durch eine Forschung und Entwicklung, die nach klaren und einheitlichen Prozessen sowie Zielen und Abbruchkriterien handelt und durch ein ganzheitliches Projekt-Controlling gesteuert wird, kann es der Automobilindustrie gelingen, den Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. „Der Fokus sollte auf Innovationen und Entwicklungen liegen, für die der Kunde zu zahlen bereit ist. Somit wird auch eine stärkere Integration von Marketing, Vertrieb und den derzeit schwach vertretenen Bereichen Finanzen/Controlling und Einkauf in die Projektprogrammplanung immer wichtiger. Das Risiko kostenintensiver Fehlentwicklungen kann dadurch erheblich reduziert werden", so Dieter Becker.
Pressekontakt:
KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft
Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Marita Reuter/Thomas Blees
T +49 30 20 68-11 18,
F +49 30 20 68-11 48
E-Mail: mreuter@kpmg.com / tblees@kpmg.com
KPMG im Internet: http://www.kpmg.de/