Bedeutung immaterieller Vermögenswerte für Konsumgüter- und Handelsunternehmen steigt
Berlin, 11.01.08. Unternehmen der Konsumgüter- und Handelsbranche messen Patenten, Marken und Lizenzen große Bedeutung bei. Dennoch können sie meist nur einen geringen Teil ihrer immateriellen Vermögenswerte bilanzieren. So schätzen zwei von drei dieser Unternehmen den Anteil der nicht bilanzierten immateriellen Vermögenswerte auf bis zu 20 Prozent an ihrem Gesamtvermögen. Jedes vierte Unternehmen beziffert ihn sogar auf mindestens 40 Prozent. Über die Hälfte geht von einer starken Ausweitung der Märkte für immaterielle Vermögenswerte bis 2015 aus. Das hat eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG unter 100 deutschen Unternehmen aus der Konsumgüter- und Handelsbranche ergeben.
Stephan Fetsch, Partner bei KPMG im Bereich Advisory: "Die eingeschränkte Bilanzierbarkeit immateriellen Vermögens nach HGB führt tendenziell dazu, dass bis dato eher geringe Teile der im Unternehmen vorhandenen immateriellen Vermögenswerte im Jahresabschluss bilanziert werden. Rund zwei Drittel der Unternehmen nutzen heute keine oder lediglich vereinfachte Bewertungsmethoden. Durch die für 2009 geplante Novelle des HGB sowie eine fortschreitende Bilanzierung von immateriellen Vermögenswerten nach IFRS wird dieses Thema Unternehmen in der Zukunft vermehrt beschäftigen. Dies zeigt die Dringlichkeit, auf breiter Ebene einheitliche und nachvollziehbare Bewertungsmethoden für immaterielle Vermögenswerte in den Unternehmen einzuführen."
Bilanzierung verschafft Wettbewerbsvorteile
Marken, Kundenbeziehungen und Lizenzverträge stellen nach Angaben der Unternehmen die drei wichtigsten immateriellen Vermögenswerte dar. Doch nur die Software wird von der Mehrheit (knapp 70 Prozent) bereits heute bilanziert. Sven Beyer, Partner bei KPMG im Bereich Advisory: "Ein Unternehmen erhält ein vollständiges Bild über seine Wertschaffung nur, wenn es sämtliche im Wertschöpfungsprozess eingebundenen Produktionsfaktoren berücksichtigt. In der heutigen Dienstleistungs- und Hochtechnologiegesellschaft sind Patente, Verträge oder Kundenbeziehungen die Werttreiber und damit von strategisch übergeordneter Bedeutung. Wer sie in das betriebliche Management integriert, verschafft sich Wettbewerbsvorteile. Deshalb wächst die Bedeutung finanzwirtschaftlicher Bewertungsverfahren und die Aufbereitung der dafür notwendigen Daten."
Starke Marktausweitung bis 2015 erwartet
Erweist sich die Einschätzung der befragten Unternehmen als zutreffend, werden sich immaterielle Vermögenswerte zu handelbaren und markfähigen Gütern entwickeln.
Über die Hälfte der Unternehmen geht von einer starken Ausweitung der Märkte für immaterielle Vermögenswerte bis 2015 aus. Sven Beyer: "Wissen ist nicht nur der Rohstoff, der Forschung und Entwicklung antreibt. Wissen ist das Kernelement für nahezu alle Innovationen und Wertschöpfungsprozesse. Wissen als immaterieller Vermögenswert ist von sehr hoher Bedeutung. Beispielhaft sei auf die steigende Zahl privater Bildungseinrichtungen und Hochschulen wie auch auf Wissensbilanzen verwiesen."
Patente, Marken oder Nutzungsrechte als Finanzierungsinstrument
Immaterielle Vermögenswerte spielen bis dato als Finanzierungsinstrument eine eher untergeordnete Rolle. Doch könnten sich in Zukunft verstärkt Einsatzmöglichkeiten ergeben, sei es als Sicherungsinstrument für kurzfristige Finanzierungen oder als Gegenstand von Sale-and-Lease-back-Transaktionen. Fast zwei Drittel der Unternehmen (62 Prozent) halten ihre nicht bilanzierten Vermögenswerte für veräußerbar. Knapp die Hälfte (43 Prozent) least heute bereits immaterielle Vermögenswerte oder zahlt Lizenzen. Nur sehr wenige Unternehmen nutzen diese dagegen zur Besicherung von Krediten (3 Prozent) oder haben schon einmal versucht, diese als Sicherheit einzubringen (5 Prozent). Stephan Fetsch: "Die Umfrage zeigt, dass immaterielle Vermögenswerte nur sehr selten im Finanzierungsbereich eingesetzt werden, obwohl sie einen vergleichsweise hohen Anteil am Wert der Unternehmen haben. Damit sich das ändert, muss die Akzeptanz der entsprechenden Bewertungsverfahren steigen. Außerdem sollten immaterielle Vermögenswerte standardmäßig in unternehmerische Steuerungs- und Managementprozesse integriert werden."
Franz-Peter Falke, Geschäftsführender Gesellschafter der Falke Gruppe und Präsident des Markenverband e.V.: "Während in angelsächsischen Ländern der Markenwert längst als Währung für die Substanz eines Unternehmens anerkannt ist, entdecken insbesondere deutsche Finanzinvestoren erst langsam, dass Marken mehr sind als der ideelle Überbau für Produkte. Ein Grund dafür ist auch, dass Marken, trotz der anerkannt großen Bedeutung für ein Unternehmen, auch heute vielfach vorrangig als ein psychologisches Phänomen gesehen werden, das im übrigen nicht recht fassbar und vor allem nicht kalkulierbar ist. Dies zu ändern, ist Aufgabe der Markenverantwortlichen. Dass dies glaubwürdig gelingen kann, dafür ist die Standardisierung der monetären Markenbewertung eine entscheidende Voraussetzung."
Mehr Informationen finden Sie in der Studie "Patente, Marken, Verträge, Kundenbeziehungen - Werttreiber des 21. Jahrhunderts" (PDF, 1.5 MB)
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