"Korea hebt sich ab von der Konkurrenz der Asien-Pazifik-Länder"
Tong-Soo Chung, Leiter der nationalen Investitionsfördergesellschaft „Invest KOREA", im Gespräch mit KPMG's High Growth Markets Magazin (Ausgabe 02-2008) über Freihandelsabkommen mit Europa und Nordamerika und die Aussichten auf investionsfreundliche Wirtschaftsreformen in Korea.
Mit einem BIP-Wachstum von 4 bis 5 Prozent registriert Korea seit mehreren Jahren nachhaltige Wachstumszahlen. Wie beurteilen Sie die Chancen des Landes für ein Comeback als starker „Tigerstaat"?
Die Wahl von Lee Myung Bak zum neuen koreanischen Präsidenten im Dezember 2007 war eine wichtige Wende. In den Jahren davor hatte es bei in- und ausländischen Direktinvestitionen nur ein langsames Wachstum bzw. Stagnation gegeben. Lees wirtschaftliche Reformpläne sind mit der einprägsamen Formel „747" angetreten: 7 Prozent Wachstum, ein nationales Pro-Kopf-Einkommen von 40.000 US-Dollar innerhalb von zehn Jahren sowie eine mögliche G7-Mitgliedschaft Koreas.
Zu Policies wie diesen gehören ein verstärkter Fokus auf die Förderung von Auslandsinvestitionen durch starke Zurücknahme regulativer Maßnahmen - vor allem im Finanzsektor. Außerdem soll die Körperschaftsteuer von derzeit 25 Prozent bis Ende 2009 auf 22 Prozent - und in einem weiteren Schritt bis 2010 auf 20 Prozent gesenkt werden. Damit wird Korea im Vergleich zu den regionalen Wettbewerbern noch konkurrenzfähiger.
Eine weitere, von der Regierung angestoßene Initiative ist der „Capital Markets Consolidation Act", der zum 1. Januar 2009 in Kraft treten soll. Ziele hier sind die qualitative Verbesserung des Geschäftsumfeldes in Korea und ein erleichtertes Regulierungsumfeld für die Finanzindustrie des Landes.All diese Initiativen werden Korea von Konkurrenten in der Region abheben - indem hier globale Standards eher die Norm als die Ausnahme sind - und werden das Land wieder auf den Wachstumskurs der Jahre bringen, in denen es zu den Tigerstaaten Asiens gehörte.
Wo liegen heute Koreas Aussichten und Herausforderungen im Vergleich zu seinen Nachbarn in der ASPAC-Region?
Um in der Region Nordostasien eine wettbewerbsfähigere Nische zu schaffen, muss Korea lernen, seine geographische Lage und relativ geringe Größe zum eigenen Vorteil zu nutzen. Herausforderung Nr. 1 in diesem Zusammenhang ist die Erhaltung der hohen Produktionskompetenz des Landes. Der Export von Autos, Elektronik, Schiffen, Halbleitern und Displays hat Korea - früher eines der ärmsten Länder der Welt - auf Platz 13 im internationalen Vergleich gebracht.
Trotz der unzureichenden Ressourcenlage im Land haben investitionsbereite Unternehmen aus dem Ausland aber immer die Menschen in Korea als die Ressource genannt, die uns von anderen Ländern in der Region abhebt. Ein Beispiel: im Jahr 2007 setzten 84 Prozent der koreanischen Schulabgänger ihre Ausbildung auf einem College oder einer Universität fort. Dieser Wert liegt klar über dem 50 Prozent-Durchschnitt anderer OECD-Länder.
Manche Analysten sehen Korea in der Zwickmühle zwischen der chinesischen Niedriglohnkonkurrenz und Japans High-Tech-Innovationen. Welchen wirtschaftlichen Ausweg sehen Sie hierfür?
Meine Antwort ist ganz klar: Freihandelsabkommen. Unsere nachhaltigen Anstrengun¬gen zum erfolgreichen Aushandeln solcher Abkommen werden Korea fit machen, um in der Region Nordostasien konkurrenzfähig zu bleiben. Solche Freihandelsabkommen wurden bereits erfolgreich mit Singapur, Chile und den ASEAN-Staaten ratifiziert. Im Augenblick freuen wir uns auf die Ratifizierung des KORUS-Freihandelsabkommens.
Für ein weiteres Abkommen dieser Art mit der EU laufen ebenfalls Verhandlungen. Und vor Kurzem haben Indien und Korea ihre Verhandlungen für das sogenannte „Comprehensive Economic Partnership Agreement" (CEPA) abgeschlossen, das Ende 2008 unterschriftsreif sein dürfte. All das schafft die Bedingungen für einen gewaltigen Umschwung hinsichtlich Koreas Attraktivität für ausländische Direktinvestitionen.
Früher hat das Land stark vom Dreieckshandel zwischen Korea, China und Japan profitiert. In dem Maße, wie China seinen technologischen Fortschritt ausbaut, und angesichts weiterhin stark steigender Arbeitskosten muss sich Korea jedoch differenzieren. Dies geschieht durch intensiven Schutz geistiger Eigentumsrechte, Erhaltung der technologischen Konkurrenzfähigkeit und Verbesserung der eigenen Fähigkeiten im Design-Bereich. Hinsichtlich Breite und Umfang der Freihandelsabkommen mit den führenden Industrienationen der Welt hat Korea im Vergleich zu China und Japan auf jeden Fall die Nase vorn.
Ihr Kommunikations- und Medien-Sektor ist ein viel zitiertes Beispiel für die globale Konkurrenzfähigkeit Koreas. Welche Ihrer Schlüsselbranchen könnte als nächste solche Aufmerksamkeit auf sich ziehen?
Weil umweltbewusstes Handeln immer wichtiger wird, sind alternative Energien in diesem Zusammenhang eine besonders aussichtsreiche Branche. Ein Bericht des U.S. Commercial Service von 2007 nannte im Bereich erneuerbare Energien folgende Untersektoren als attraktive Geschäftschancen in Korea: Wasserstoff/Brenn¬stoffzellen, Photovoltaik und Windkraft. Ausländische Unternehmen haben in diesen Bereichen schon eine Reihe von Investitionen in Brennstoffzell-Technologien und Photovoltaik-Module getätigt. Das betreffende Kraftwerk entsteht derzeit im Süden des Landes. Zwei weitere, vielversprechende Bereiche sind auch Gesundheitswesen und Biopharmazeutik.
Der Interviewpartner
Tong-Soo Chung ist seit 2006 Leiter von Invest KOREA, Koreas nationaler Investitionsfördergesellschaft innerhalb der „Korea Trade Investment Promotion Agency" (KOTRA). „Invest KOREA” zieht Auslandsinvestitionen durch Identifikation potenzieller ausländischer Investoren an, unterstützt Investitionsprojekte und baut, unter anderem mit 35 Auslandsfilialen, ein Kooperationsnetzwerk in den großen Finanz- und Industriezentren der Welt auf.
Mehr Nachrichten und Publikationen zum Weltmarkt Korea:
Registrieren Sie sich für den Newsletterdienst mit aktuellen Nachrichten zum Wachstumsmarkt Korea.




