Non-Profit-Organisationen: "Das Mäzenatentum besitzt in Deutschland noch Ausbaupotenzial"

Die Entwicklungen auf den Finanzmärkten stellen Non-Profit-Organisationen und Stiftungen vor immense Herausforderungen. Finanzkrise und Rezession werden auch in diesem Segment ihre Spuren hinterlassen.

Auswirkungen auf das Vermögen, die Erträge daraus und auf Spendeneinnahmen sind zu erwarten beziehungsweise haben sich bereits konkretisiert: Sei es aufgrund sinkender Renditen aus dem Kapitalanlagevermögen oder wegen geringerer Spenden aus der Wirtschaft und von Privatpersonen. Worauf sich etwa Stiftungen und Non-Profit-Organisationen konzentrieren sollten und wie sich das Mäzenatentum in Deutschland entwickeln könnte, darüber berichtet Christian Graf von Hardenberg, Partner und Sektorleiter Non-Profit-Organisationen/Stiftungen bei KPMG in Deutschland.

Herr Graf von Hardenberg, wie beurteilen Sie die Lage für Stiftungen angesichts der Situation auf den Finanzmärkten?
Traditionell ist das Anlageverhalten deutscher Stiftungen eher konservativ. Dennoch werden Finanzkrise und Rezession Auswirkungen auf Stiftungen haben. Neben dem bereits zu verzeichnenden Rückgang der Aktienkurse müssen sich die Stiftungen auf sinkende Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren und kurzfristigen Anlagen einstellen.

Auch negative Auswirkungen des Spendenverhaltens von Unternehmen und Privatpersonen sind zu erwarten. Unternehmensbezogene oder unternehmensverbundene Stiftungen, die Unternehmen betreiben oder Unternehmensbeteiligungen halten, sollten auf Rückgänge der Unternehmenserträge gefasst sein.

Wenn die Stiftungen ihr Kapital real erhalten wollen, was in der Satzung oder im Stifterwillen zum Ausdruck kommen kann, aber auch sonst zur langfristigen Erfüllung des Stiftungszwecks geboten ist, sind Auswirkungen auf die Arbeit und gegebenenfalls die Organisation der Stiftungen nicht mehr auszuschließen.

Werden sich sinkende Einnahmen auch auf die Projekte der Stiftungen auswirken?
Während ich davon ausgehe, dass die Finanzierung laufender oder eher kurzfristiger Projekte weitgehend gesichert ist, können sich insbesondere Auswirkungen bei der Aufnahme neuer Vorhaben ergeben. Stiftungen können auf Rezession und Finanzkrise reagieren, indem sie den Finanzierungsanteil pro Projekt herunterfahren oder sich auf Kernprojekte konzentrieren.

Wie kann KPMG in der gegenwärtigen Finanzmarktkrise Stiftungen unterstützen?
In Zeiten volatiler Geldflüsse ist ein funktionierendes Liquiditätsmanagement unverzichtbar. Zentrale Bedeutung kommt auch der Kontrolle und Anpassung der Fixkosten zu. Alle Kostenarten sollten einer eingehenden Untersuchung unterzogen werden. Die Erhöhung der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sollte im Vordergrund stehen. Organisation, Arbeitsabläufe sowie der Personaleinsatz sollten auf Verbesserungspotenzial hin untersucht werden.

Ein Ausbau des Mitarbeiterstamms könnte durch eine projektbezogene Einstellung von Arbeitnehmern begrenzt werden. Stiftungen, die auch auf Spenden für Projekte angewiesen sind, könnten ihr Fundraising weiter professionalisieren. Soweit noch nicht vorhanden, sollte die Einrichtung eines Risikomanagementsystems dringend erwogen werden.

Wir können bei der internen Organisation, der Prozessgestaltung, bei Kostenanalysen und Kostenanpassungen sowie dem Liquiditätsmanagement unterstützen und bei der Einführung eines Risikomangementsystems behilflich sein. Unser Netzwerk umfasst Spezialisten aus den Bereichen Unternehmensberatung, Restrukturierung, Steuern, Wirtschaftsprüfung und Rechtsberatung.

Welche Finanzierungstrends sehen Sie bei Non-Profit-Organisationen allgemein?
Nicht alle Non-Profit-Organisationen finanzieren sich aus Spendengeldern oder Eigenkapitalerträgen. Gemeinnützige und sozial tätige Unternehmen und Einrichtungen - zum Beispiel gemeinnützige Kindergärten, Alteneinrichtungen, Krankenhäuser, aber auch Kultureinrichtungen - finanzieren sich zu einem nicht unerheblichen Teil über Leistungsentgelte und öffentliche Zuwendungen. In Krisenzeiten ist einer Erhöhung von Leistungsentgelten nur bedingt möglich, aber auch die öffentliche Hand wird infolge sinkender Steueraufkommen ihre Zuwendungen auf den Prüfstand stellen.

Liquiditätsmanagement, Prozessverbesserung, Kostenkontrolle und Risikomanagement sollten hier genauso im Vordergrund stehen wie die Erhöhung des Spendenaufkommens oder die Errichtung von Stiftungen, die dem Organisationszweck dienen. Auch hier können wir mit unserem Netzwerk aus Spezialisten unterstützen. Interessant vor diesem Hintergrund ist, wie sich das Mäzenatentum in Deutschland entwickelt. In Amerika spielt es zum Beispiel eine ganz herausgehobene Rolle bei der Finanzierung von Einrichtungen aus den Bereichen Kultur oder Soziales.

Lässt sich dieser Trend auch auf Deutschland übertragen?
Das glaube ich schon. Teilweise ist aber ein Umdenken erforderlich. Wir müssen uns zunächst von der Vorstellung verabschieden, dass der Staat für alles und jeden zuständig ist. Wenn dann noch einem Mäzen anstatt breiter Zustimmung zu seinem Engagement eher Missgunst entgegenschlägt oder über seine eigentliche Ziele und Beweggründe geargwöhnt wird, ist das sicher nicht hilfreich.

Aber in jeder Krise stecken ja bekanntlich auch Chancen. Und größere Krisen beinhalten die Chance auf ein langfristiges Zurechtrücken überkommener Vorstellungen und Ansprüche. Also ja, ich bin der Auffassung, dass hier mittelfristig weiteres Potenzial neben dem bisher schon großen Engagement einiger privater Mäzene erschlossen werden kann.

 

Ansprechpartner

Foto von Christian Graf von Hardenberg

Christian Graf von Hardenberg

Partner, Non-Profit-Organisationen

KPMG
Klingelhöferstraße 18
10785 Berlin

T +49 30 2068-4244 | chardenberg@kpmg.com