Fachleute im Interview: "Ein Krankenhaus kann nicht mit einer Schablone saniert werden"

Wie können Krankenhäuser den Fokus auf Qualität setzen und trotzdem am Markt bestehen? Inwieweit hat die Trägerart Auswirkungen auf den Erfolg? Im Interview beantworten die Vorsitzenden der Geschäftsführung Karl Prinz zu Löwenstein, freigemeinnützige Deutsche Malteser gGmbH, Joachim Bovelet, öffentliches Krankenhaus Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH und Dr. Francesco De Meo, private HELIOS Kliniken GmbH, einige wichtige Fragen zur Vielfalt der Krankenhausträger in Deutschland.

Wo sehen Sie die Ursachen für die Veränderungen der Trägerstrukturen am deutschen Krankenhausmarkt?
Karl Prinz zu Löwenstein: Die Ursachen liegen in der unterschiedlichen Bereitschaft, qualitative und wirtschaftliche Fragestellungen kompromisslos und konsequent anzugehen und die dafür erforderlichen Entscheidungen auch ohne sachfremde politische Einflüsse treffen und umsetzen zu können.

Dazu kommt die unterschiedliche Fähigkeit, Ergebnisse über mehrere Einrichtungen miteinander zu vergleichen, daraus entwickeltes Know-how zu bündeln und beste Praxis konsequent auf alle Einrichtungen anzuwenden.

Joachim Bovelet: Die erste Ursache liegt in der nicht ausreichenden Finanzierung für den investiven Bereich. Hier haben die öffentlichen Häuser einen Nachteil gegenüber privaten und freigemeinnützigen Kliniken.

Die zweite Ursache sind die Tarifwerke, die uns oft in ein Korsett zwingen, wie das die privaten Träger nicht haben. Eine Herausforderung für die öffentlichen Krankenhäuser ist drittens, dass Krankenhausleitung und Politik manchmal divergierende Interessen haben, weil die Geschäftsführung in erster Linie die Wirtschaftlichkeit und Qualität im Blick hat, während die Politik beispielsweise auch eine medizinisch und geografisch möglichst breite Versorgung möchte.

Dr. Francesco De Meo: Es gibt vier Hauptursachen für die Veränderung der Trägerstrukturen in den vergangenen Jahren: Das grundsätzliche Problem ist die Organisation in Krankenhäusern. Viele Kliniken sind auch heute noch sehr strukturkonservativ organisiert.

Die zweite Ursache liegt in den Überkapazitäten, die wir in den vergangenen Jahren hatten, und deren Abbau durch das DRG-System forciert wurde. Der dritte Grund liegt in der Qualität der Krankenversorgung. Krankenhäuser, welche die hohe Qualität der medizinischen Versorgung nicht mehr leisten konnten, sind vom Markt verschwunden. Der letzte Punkt ist die Deckelung der Leistung der Krankenhäuser, die im Wesentlichen von der Entwicklung des Beitragsaufkommens abhängig ist.

„Ein Krankenhaus muss schlank sein"

Welche Kombination von Träger und Rechtsform bietet aus Ihrer Sicht den Verantwortlichen optimale Entscheidungsspielräume?
Karl Prinz zu Löwenstein:
Wesentlich ist die Zielsetzung und innere Motivation des Trägers, nicht die Rechtsform der Einrichtung. Der Träger muss den Fokus auf Qualität und Wachstum setzen können und darf in seinen Entscheidungen nicht durch politische Rücksichtnahmen beeinflusst sein.

Joachim Bovelet: Die Rechtsform ist für das wirtschaftliche Führen eines Krankenhauses im Prinzip unerheblich. Viel wichtiger ist die richtige, straffe Organisation eines Hauses. Dringend notwendig ist, dass auch in öffentlichen Krankenhäusern die Entscheidungsprozesse deutlich beschleunigt werden, um schneller auf die Erfordernisse des Marktes reagieren zu können. Wir sind bei Vivantes in diesem Punkt mittlerweile auf einem sehr guten Weg.

Dr. Francesco De Meo: Optimale Entscheidungen haben weniger etwas mit der Trägerart zu tun. Es geht vielmehr darum, ob man die notwendigen Organisationsveränderungen unterstützt oder behindert. Ein Krankenhaus muss schlank sein - und zwar sowohl im Hinblick auf die Rechtsform als auch auf die Entscheidungsstrukturen. Zudem muss ein Krankenhaus sachorientiert sein - bei der Entscheidungsfindung und bei der Umsetzung der Entscheidungen.

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