Interview Teil 2: „Auch in dünn besiedelten Gebieten ist eine profitable Krankenhausführung möglich"

Welche Unterschiede sehen Sie in der Zielsetzung der öffentlichen, privaten und freigemeinnützigen Krankenhäuser?
Karl Prinz zu Löwenstein:
Die privaten Träger wollen in der Regel langfristig Rendite für das eingesetzte Kapital erwirtschaften. Für die freigemeinnützigen, meist kirchlichen Träger steht der ideelle, karitative Auftrag im Vordergrund, Verluste dürfen gleichwohl nicht zugelassen werden.

Wirtschaftlich gesehen ergibt sich daraus die Versuchung, immer nur so viel Effizienz anzustreben, wie für ausgeglichene Ergebnisse gerade eben erforderlich ist. Bei den öffentlichen, meist kommunalen Trägern steht die politische Bedeutung der Einrichtung im Vordergrund.

Joachim Bovelet: Die grundsätzliche Zielsetzung der drei Trägerarten ist historisch bedingt: Die konfessionellen Häuser sind aus der Not zur Krankenversorgung geboren. Viele öffentliche Krankenhäuser wie auch Vivantes, setzen sich die wohnortnahe Krankenversorgung selbst zum Ziel.

Das heißt jedoch nicht, dass kommunale Krankenhäuser Patienten in ländlichen Gebieten nicht wirtschaftlich versorgen können. Private Klinikanbieter zeigen, dass auch in dünn besiedelten Gebieten eine profitable Krankenhausführung möglich ist.

Dr. Francesco De Meo: Das Ziel ist für alle Krankenhäuser das Gleiche: die Sicherstellung der Patientenversorgung. Der Weg zu diesem Ziel unterscheidet sich jedoch bei den unterschiedlichen Trägern und ist oftmals traditions- oder kulturell bedingt. Während die freigemeinnützigen, kirchlichen Häuser oftmals durch ihre Fundierung im Glauben eine eigene Kultur und Identität schaffen, ist dies bei öffentlichen Häusern schwerer, da sie die Krankenversorgung aus dem Blickwinkel einer öffentlichen Verwaltung betrachten.

Bei den privaten Häusern kommt es darauf an, wie sich die Klinik selbst definiert. Wer nur auf die Kosten schaut, der wird am Ende eine schlechte Qualität haben. Wer aber auf die Qualität schaut, der wird am Ende gute Kosten haben.
 
„Beim Zugang zu den Kreditmärkten stehen die öffentlichen am besten da"

Wie schätzen Sie die Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten Ihrer Trägerart im Vergleich zu den beiden anderen Trägerarten ein?
Karl Prinz zu Löwenstein:
Die freigemeinnützigen Träger haben so gut wie keine Möglichkeiten, sich zusätzliches haftendes Kapital zu beschaffen. Darin unterscheiden sie sich wesentlich von den Privaten. Die Zugänge zu den Kreditmärkten sind grundsätzlich überall gleich gut, hier stehen die öffentlichen am besten da, weil es so gut wie kein Ausfallrisiko gibt. Einen entscheidenden Vorteil haben die Öffentlichen durch den Defizitausgleich aus öffentlichen Kassen, der im Zweifelsfall geleistet wird.

Joachim Bovelet: Dies ist eine Frage, wie wirtschaftlich ein Krankenhaus arbeitet. Kredite werden von Banken nur über Ratings vergeben, die von der Realisierbarkeit und Attraktivität der Businesspläne und letztlich von der Wirtschaftlichkeit des Hauses abhängen. Im freigemeinnützigen Bereich bekommen viele Kliniken Kredite von den hinter den Trägern stehenden Orden oder Banken der Glaubensgemeinschaften. Ein Vorteil von kommunalen Häusern kann sein, durch Bürgschaften des Trägers günstiger an Kredite zu kommen als private oder freigemeinnützige Kliniken.
 
Dr. Francesco De Meo: Ein privater Träger wie HELIOS hat den großen Vorteil, dass er durch höhere Effizienz erhebliche eigene Investitionsmittel erwirtschaftet und darüber hinaus auf dem Kapitalmarkt vergleichsweise einfach Finanzmittel beschaffen kann. Bei anderen Trägern ist dies deutlich schwieriger.

Öffentlichen Häusern fehlt häufig das Kapital für dringend notwendige Investitionen, oftmals müssen sogar Defizite durch neues Kapital ausgeglichen werden. Auch die freigemeinnützigen Kliniken haben wenig Zugang zu neuem Kapital, jedoch treten diese in ihrer Gruppe sehr geschlossen auf, so dass es dort zu einer Übernahme von Kliniken innerhalb der konfessionellen oder freigemeinnützigen Gruppen oder zu kleineren Konzernbildungen kommt.

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