Interview Teil 3: "Nur die Besten werden übrig bleiben"
Wo sehen Sie die dringendsten Optimierungspotenziale im Krankenhauswesen?
Karl Prinz zu Löwenstein: Die Regulierung ist nach wie vor viel zu groß. Dem Markt müsste deutlich mehr Raum gegeben werden, was z. B. das Leistungsspektrum betrifft. Die allgemein geäußerte Ansicht, dass ein wesentlicher Teil der Krankenhäuser geschlossen werden muss, dürfte der Realität entsprechen und ist volkswirtschaftlich sinnvoll. Die Politik will das notgedrungen auch, spricht es aber nicht offen aus. Im Gegenteil: Wenn Häuser geschlossen werden sollen, gibt es lokal erheblichen Gegenwind statt Hilfen.
Joachim Bovelet: In vielen Krankenhäusern wurde in den letzten Jahren Personal abgebaut. Im Personalbereich sind daher kaum noch Spielräume für Optimierungen zu finden. Optimierungspotenziale sind im Wesentlichen noch im Bereich der Prozessabläufe vorhanden.
Es geht vor allem um die Neuorganisation von ärztlichen, pflegerischen und verwaltungstechnischen Aufgaben. Ärzte sollten delegierbare Aufgaben an die Pflegekräfte bzw. Hilfskräfte weitergeben. Weitere Optimierungspotenziale sind im Sekundär- und Tertiärbereich des Krankenhauses zu finden, z. B. im Einkauf, in der Apotheke oder im Labor.
Dr. Francesco De Meo: Ein Krankenhaus kann nicht mit einer Schablone saniert werden. Meist sind es tiefgreifende Systemveränderungen, die beim Optimierungs- und Sanierungsprozess entscheidend sind. Die Sachkostenoptimierung spielt dabei eine große Rolle. Insbesondere der Einkauf kann oftmals relativ kurzfristig optimiert werden.
Der zweite wichtige Punkt ist die gesamte Organisation und insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit der unterschiedlichen Abteilungen. Ein Klassiker ist beispielsweise die Optimierung der OP-Organisation. Durch die Nutzung von IT-Anwendungen kann die Optimierung oftmals unterstützt werden. Allein durch Technik kann ein Krankenhaus aber nicht optimiert werden, vielmehr müssen Menschen von der neuen Organisation überzeugt werden.
„Es werden neue Trägerstrukturen entstehen"
Sollte Ihrer Meinung nach die Trägervielfalt in Deutschland erhalten bleiben, und wie schätzen Sie die Zukunft Ihrer und der anderen beiden Trägerarten ein?
Karl Prinz zu Löwenstein: Die Trägervielfalt sollte nicht erhalten bleiben. Es gibt keinen guten Grund für öffentliche Einrichtungen. Der Staat wird hier nicht gebraucht, weil der Markt das viel besser kann. Er soll nur den Rahmen setzen. Das erhöht die Effizienz und die Qualität der medizinischen Leistung.
Der in Zukunft deutlich wachsende Druck auf die öffentlichen Haushalte wird zu einer weiteren deutlichen Abnahme dieser Einrichtungen führen. Wachsen werden die Privaten. Die kirchlichen Träger sollten sich bewusst auf das beschränken, was sie tatsächlich auch inhaltlich prägen können. Das wird bei zunehmender Säkularisierung weniger.
Joachim Bovelet: Grundsätzlich sollte die Trägervielfalt erhalten bleiben. Trägerindividuell betrachtet, wird die Vielfalt allerdings nicht bestehen bleiben. Einzelhäuser müssen weiter zusammengelegt werden, weil dies die Vereinheitlichung von Standardisierungen sowie eine gesteigerte Kaufmacht mit sich bringt.
Meine These ist, dass Krankenhäuser zwar vom Markt verschwinden werden, jedoch bei weitem nicht so viele und so schnell, wie es bisher vorhergesagt wurde. Es werden neue Trägerstrukturen auch im öffentlichen Bereich, z. B. großkommunale Krankenhausverbünde, entstehen. Im kommunalen Bereich wird es darauf ankommen, dass die Häuser rentabel betrieben werden. Ein Markt besteht zudem für weitere private Krankenhausgruppen. Den freigemeinnützigen Bereich sehe ich eher stabil.
Dr. Francesco De Meo: Die Trägervielfalt stellt sicher, dass sich im deutschen Krankenhauswesen etwas zum Guten bewegt. Ohne sie würden die alten, eingefahrenen Strukturen bestehen bleiben. Selbst die Kritiker der privaten Träger räumen inzwischen ein, dass die Privaten als Vorbild wirken können, wenn es um eine qualitativ hochwertige und wirtschaftliche Krankenversorgung geht.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre wird sich weiter fortsetzen. Weitere 200 bis 300 Kliniken, insbesondere aus dem öffentlichen Bereich, werden in den kommenden zehn Jahren schließen oder fusionieren müssen.
Unter den verbleibenden Häusern wird der Anteil der privaten Krankenhäuser weiter wachsen. Längerfristig könnte sich dieser bei etwa 30 bis 35 Prozent einpendeln. Von den Krankenhäusern - egal aus welcher Trägerschaft - werden am Ende nur die besten übrig bleiben.
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