Management von Ausfall- und Kontrahentenrisiken: Riskante Beziehungen
Nicht nur Liquiditätsprobleme können Unternehmen gefährlich werden, wenn die Konjunktur einbricht. Auch die externen Risiken nehmen zu, etwa durch den Ausfall von Lieferanten oder die schlechtere Zahlungsfähigkeit von Kunden.
Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat deutlich gemacht, wie eng Finanz- und Realwirtschaft zusammenhängen. Je mehr der Abschwung durchschlägt, desto klarer wird aber auch, wie stark die Unternehmen untereinander verflochten sind.
Intakte Beziehungen zur Bank und anderen Finanzierungspartnern sind unerlässlich. Aber wie steht es um die Liquidität der Banken selbst? Wie gut sind wichtige Lieferanten aufgestellt? Welche Zahlungsziele sind mit Kunden vereinbart und unter welchen Bedingungen können sie angepasst werden? Wie solide ist der Anbieter von Rechenzentrumsleistungen noch? Hinter den Geschäftspartnerbeziehungen stecken große Risiken. In einerKrise rücken sie nur stärker ins Blickfeld.
Lieferantenrisiken wirken sich oft auf die Wertschöpfungskette aus
Bisher fiel unter den Begriff Geschäftspartner- oder auch Kontrahentenrisiko vor allem, dass vertragliche Leistungen nicht erfüllt werden. In Krisensituationen ist es zunehmend wichtiger, das Risikomanagement so zu erweitern, dass es kontinuierlich die wirtschaftliche Gesamtsituation eines Geschäftspartners erfasst. Das Management von Ausfallrisiken steht daher inzwischen auf der Agenda vieler Unternehmen.
Lieferantenrisiken sind dabei als besonders komplex einzustufen, da sie sich auf die gesamte - oft international aufgebaute - Wertschöpfungskette auswirken können. Konzerne müssen darauf vorbereitet sein, dass selbst große Zulieferer ausfallen.
Ein objektives Rating und vertiefende Analysen dienen dazu, sich ein klares Bild von der Situation zu machen, in der sich Lieferanten oder Dienstleister befinden. Nur so können Unternehmen ihre Strategie rechtzeitig an den Risiken ausrichten, die von einem Lieferengpass oder Produktionsstopp ausgehen.
Zahlungsunfähigkeit eines Kunden oft zu spät entdeckt
Zahlungsziele mit Kunden sind zumeist vertraglich fest vereinbart und können oft nur mit Mühe angepasst werden. Ein enges Monitoring der Zahlungseingänge ist notwendig, um frühzeitig Warnsignale über eine mögliche Verschlechterung der Zahlungsfähigkeit eines Kunden zu erhalten. Auf dieser Basis können dann eventuell die vertraglichen Vereinbarungen noch angepasst und das Risiko des Zahlungsausfalls reduziert werden.
Banken galten früher kaum als risikobehaftete Geschäftspartner. Der Einbruch des Finanzmarkts 2008 hat diese Sichtweise nachdrücklich erschüttert.
Management-Aufwand lohnt sich
Unternehmen sollten daher ihre Bankenbeziehungen nicht nur kosten- sondern auch risikoorientiert betrachten. Das Risikomanagementsystem muss also zum Beispiel erfassen, ob Anlagen wie Tages- und Festgelder jederzeit verfügbar sowie bestimmte Wertpapiere noch werthaltig sind und Sicherungsgeschäfte vertragsgemäß erfüllt werden.
Immer mehr Unternehmen überdenken, wie sie mit Geschäftspartnerrisiken umgehen sollen. Ein umfassendes Management der Kontrahentenrisiken ist häufig nicht einfach. Das Beziehungsgeflecht ist komplex; die benötigten Daten liegen in der Regel nur dezentral vor und müssen in aufbereiteter Form an die Geschäftsführung kommuniziert werden.
Aber der Aufwand lohnt sich: Nur wer frühzeitig über wirtschaftliche Fehlentwicklungen seiner Geschäftspartner informiert ist, kann gegensteuern und so womöglich Schaden vom eigenen Unternehmen abwenden.
Dr. Frank M. Hülsberg
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Partner, Leiter Risk & Compliance
KPMG
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