Zukunft deutsches Krankenhaus: "Weitere Kürzungen sind kaum noch zumutbar"
Wie entwickelt sich der Krankenhausmarkt in Deutschland? Neue gesetzliche Regelungen sowie der starke Kostendruck bereiten vielen Krankenhäusern Sorgen. Vier Fragen an Prof. Dr. Volker Penter, Autor des Buches "Zukunft deutsches Krankenhaus" und Leiter des Bereichs Health Care bei KPMG.
Ihr Buch trifft anhand von Thesen, Analysen und Potenzialen Aussagen zur Zukunftsfähigkeit der Krankenhäuser in Deutschland. Warum haben Sie gerade jetzt das Buch geschrieben?
Prof. Dr. Volker Penter: Viele Veröffentlichungen zum deutschen Krankenhausmarkt zeichnen ein negatives Bild. Danach sind eine erhebliche Anzahl der Krankenhäuser in ihrer Existenz bedroht. Es besteht ein milliardenschwerer Investitionsstau und die Kosten der Krankenhäuser sind durch die Leistungsvergütung nicht gedeckt.
Diese Aussagen sind sicherlich richtig. Uns war es aber vor diesem Hintergrund wichtig, die Zukunftsfähigkeit des einzelnen Krankenhauses genau zu untersuchen und frühzeitig individuelle Verbesserungspotenziale zu erkennen. Ziel des Buches ist, das negative Bild in ein positives zu wenden.
Krankenhäuser in Deutschland haben mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Was sind die bedeutendsten Herausforderungen, denen sich die Krankenhäuser in der Zukunft stellen müssen?
Prof. Dr. Volker Penter: Neben der fundamentalen Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Krankenversorgung gewinnt die Wirtschaftlichkeit zunehmend an Bedeutung. Ein Krankenhaus, das nicht in der Lage ist, die Krankenversorgung auf einer wirtschaftlichen Basis zu erbringen, wird langfristig nicht am Markt bestehen.
Häufig ist noch ein Umdenken in den Krankenhäusern erforderlich. Um ein Krankenhaus wirtschaftlich betreiben zu können, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen.
Der Krankenhausmarkt wird bestimmt von zahlreichen externen Vorgaben. Regelmäßige Gesetzesänderungen, Wettbewerbsverschärfungen und knappe Finanzen schränken den Handlungsspielraum der Kliniken ein. Hat ein Krankenhaus überhaupt eine Möglichkeit, die eigene Zukunftsfähigkeit zu beeinflussen?
Prof. Dr. Volker Penter: Auf jedes Krankenhaus wirken externe und interne Faktoren. Die externen Faktoren sind vom einzelnen Krankenhaus kaum beeinflussbar. Hier kommt es darauf an, dass das Unternehmen gezielt und schnell auf Veränderungen reagiert.
Die internen Faktoren können jedoch regelmäßig von der Unternehmensleitung selbst beeinflusst werden. Zu den internen Faktoren zählen zum Beispiel wirtschaftliches Handeln bei Investitionsentscheidungen, Gestaltung von Einkaufsprozessen, Innovationsbereitschaft, Leistungsmodifikation und auch zunehmend die Beschaffung von Finanzmitteln. Entscheidend sind die Fähigkeit und der Freiheitsgrad des Krankenhausmanagements, wenn es um die kreative Gestaltung der internen Faktoren geht.
In den vergangenen Jahren wurde durch den Gesetzgeber verstärkt versucht, die staatlichen Gesundheitsausgaben zu begrenzen. Sind Sie der Meinung, dass die von Ihnen identifizierten Verbesserungspotenziale zu einer Reduzierung der staatlichen Gesundheitsausgaben genutzt werden sollten?
Prof. Dr. Volker Penter: Unsere Veröffentlichung soll objektive Schlussfolgerungen und Handlungen von Politik, Kosten- und Leistungsträgern unterstützen. Finanzielle Einschnitte gab es in der Vergangenheit für Krankenhäuser bereits viele. Weitere Kürzungen der Krankenhausausgaben sind den Leistungserbringern kaum noch zumutbar. Optimierungspotenziale sind daher vordergründig im Sinne der Verbesserung der Patientenversorgung zu sehen - nicht als Einladung zur Reduzierung der staatlichen Gesundheitsausgaben.
Hier können Sie die Publikation "Zukunft deutsches Krankenhaus" zum Preis von 39,80 bestellen.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Volker Penter
Partner, Leiter Health Care
KPMG
Klingelhöferstraße 18
10785 Berlin
T +49 30 2068-4740 | vpenter@kpmg.com
