Auslandskredite: Transferrisiken beherrschen
Die Wirtschaftskrise hat das Ausfallrisiko von Auslandskrediten erheblich erhöht. Unternehmen können mit vorausschauendem Risikomanagement und unabhängigen Bewertungsgutachten die eigene Bonität verbessern und ihre Kreditkosten senken.
In den vergangenen Jahren ist das Auslandsengagement internationaler Unternehmen dank milliardenschwerer Investitionen stark gewachsen. 2008 flossen nach Berechnungen des Institute of International Finance (IIF) mehr als 360 Milliarden Euro an Direktinvestitionen netto in aufstrebende ausländische Wachstumsmärkte.
Mit diesem Kapital erschlossen sich die Firmen neue Märkte und Konsumenten - und die Kreditinstitute unterstützten die Expansionspläne für eine internationale Präsenz, den sogenannten "global footprint".
Direktinvestitionen sinken deutlich
Die Wirtschaftskrise hat das Investmentklima und das Verhalten der Kreditinstitute grundlegend verändert. Internationale Finanzinstitute erwarten, dass die Direktinvestitionen 2009 deutlich sinken werden - auf nur noch rund 130 Milliarden Euro.
Darüber hinaus sehen Banken und andere Geldgeber die Auslandsgeschäfte angesichts wachsender Ausfallrisiken inzwischen grundsätzlich sehr viel kritischer. Dies hat große Auswirkungen auf den Umfang und die Finanzierungskosten für die Auslandsaktivitäten der Unternehmen.
Banken orientieren sich bei der Kreditvergabe und den Kreditkosten für Auslandsgeschäfte am sogenannten Transferrisiko. Diese manchmal auch "Länderrisiko" genannte Einschätzung bewertet die wirtschaftlichen, finanziellen oder politischen Risiken im jeweiligen Land, die zu einem Ausfall des Kredites führen könnten. Eine solche Risikobewertung wird in Form eines Länder-Ratings von Finanzinstituten und Rating-Agenturen vergeben.
Kreditwürdigkeit von Firmen mit hoher Auslandsaktivität unter Druck
Risikobeispiele wären ein Staatsbankrott des Landes und seiner lokalen Währung, ein Regimewechsel, Enteignung von Privatvermögen sowie politische oder gesellschaftliche Unruhen, die das Firmenvermögen gefährden. In solchen Fällen muss der Kreditgeber mit dem Risiko rechnen, dass der Kredit sowie die zu seiner Sicherheit hinterlegten Vermögenswerte wie Gebäude und Grundstücke ausfallen.
Die finanziellen Turbulenzen einiger Länder in den vergangenen Monaten haben dieses Ausfallrisiko stark erhöht. Der Internationale Währungsfond (IWF) und die Weltbank mussten Länder wie Island, Ungarn, Weißrussland, die Ukraine oder Serbien bereits mit rund 50 Milliarden Euro stützen. Der Wechselkurs vieler osteuropäischer Währungen stürzte teils mit zweistelligen Prozenten in den Keller.
Risikoprämien für Kredite deutlich gestiegen
Rating-Agenturen wie der deutsche Anbieter Coface registrierten im Zuge der Wirtschaftskrise bereits Ende 2008 einen Anstieg der Zahlungsausfälle bei Geschäften zwischen Unternehmen um 47 Prozent. Das Ergebnis: Weltweit stufen Rating-Agenturen solche Länder in ihrer Risikobewertung negativer ein.
Als Konsequenz haben die Banken die Risikoprämien für ihre Kredite deutlich nach oben gesetzt. Neue, kreditfinanzierte Auslandsinvestments werden detailliert auf Bonität und Zugriffsmöglichkeit auf die Kreditsicherheiten geprüft - und verteuern sich in jedem Fall erheblich.
Auch bereits bestehende Auslandsinvestitionen können die Unternehmen belasten. Konzerne mit einer größeren Zahl von Auslandsinvestments müssen damit rechnen, dass ihre Kreditwürdigkeit bei Kapitalgebern insgesamt unter Druck gerät und eventuell mit einem schwächeren Rating bewertet wird. Dies würde nicht nur zu entsprechend höheren Kreditkosten führen, sondern das Unternehmen auch grundsätzlich vor zusätzliche Hürden bei der Kreditvergabe stellen.
Lesen Sie, wie Sie die Kreditwürdigkeit Ihrer Auslandsaktivitäten untermauern.
Ansprechpartner
Ansprechpartner
Auslandsstrategie auf dem Prüfstand
In der Sonderpublikation greifen KPMG-Fach- und Länderspezialisten kritische Fragen auf, die sich vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise für das Auslandsgeschäft stellen: Wie lassen sich Transferrisiken beherrschen? Welche steuerliche Strategie eignet sich für die Krisenlage? Was ist bei Desinvestitionen zu beachten? Die Veröffentlichung analysiert die aktuellen Herausforderungen für international aufgestellte Unternehmen und zeigt Lösungsansätze auf.
Datum: 10.06.2009 | Größe: 3671,50kB
Registrieren Sie sich kostenlos für das länderspezifische Newsletterangebot zu wichtigen Wachstumsmärkten.
