"Die Wirtschaftskrise öffnet Private Equity-Investoren in Russland neue Investmentchancen"

Interview mit Thomas Dix, Partner und Head of Private Equity, KPMG Russland, zur Situation auf dem wachsenden Private Equity-Markt in Russland.

Der russische Market für Private Equity (PE) entwickelt sich zu einem der attraktivsten Märkte unter den sogenannten Emerging Markets - so das Ergebnis Ihrer aktuellen Marktstudie "KPMG's Russia Private Equity Survey 2009". Liegt der Grund eher in der mangelnden Zahl an Investitionsobjekten in anderen Märkten oder in der Vielzahl der Möglichkeiten in Russland?

Dix: Die Attraktivität des russischen PE-Marktes ist ein Zeichen seiner eigenen Stärke. Es gibt derzeit deutlich mehr Investitionschancen hier in Russland als anderswo. Entscheidend für die Zukunft ist jedoch die Frage, wie leicht solche Deals durchgeführt werden können. Im Vergleich ist es in Russland noch immer deutlich schwieriger, einen Investment-Abschluss herbeizuführen. Deshalb war in der Vergangenheit die Zahl der getätigten Deals in Russland noch gering. Unsere diesjährige Befragung der PE-Häuser in der KPMG-Studie zeigt, dass hier weiterhin eine Lücke klafft zwischen dem attraktiven Potenzial und den Schwierigkeiten bei der Durchführung solcher Deals.

Warum gerade jetzt - was macht den russischen PE-Markt derzeit so attraktiv?

Dix: Wenn man auf die aktuelle Marktsituation schaut, sticht derzeit vor allem heraus, dass sich die Preise deutlich nach unten bewegt haben. In der Folge gibt es eine signifikant höhere Zahl an attraktiven Investmentobjekten. Darüber hinaus bieten die aktuelle Lage und das Produktivitätsniveau der russischen Wirtschaft weiterhin interessante Investmentperspektiven in einigen Industriebranchen, insbesondere im Bereich Diversified Industrials.

Wie hat die Wirtschaftskrise hier die Lage verändert?

Dix: Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die im Zuge der Wirtschaftskrise hier in Russland in schweres Fahrwasser gekommen sind. Sie müssen hart darum ringen, die weitere Finanzierung ihres Geschäfts sicherzustellen. Im Zentrum steht die Suche nach einer verbesserten Kapitalisierung ihres Geschäfts. Doch die russischen Banken - selbst arg gebeutelt durch die Krise - sind hier offensichtlich nicht in der Lage, die entsprechenden Finanzmittel zu stellen.

Sind diese Probleme nur kurzfristiger Natur oder doch nicht eher ein Zeichen einer strukturellen Schwäche?

Dix: Bereits in der Vergangenheit herrschte bei einigen erfolgreichen Unternehmen ein Missverhältnis zwischen ihrem Business-Modell und der Finanzierungsseite ihres Geschäfts, das teilweise unterfinanziert war. Der aktuelle Druck eröffnet den PE-Investoren nun neue, interessante Einstiegsmöglichkeiten.

Angesichts des niedrigeren Ölpreises und der Schwäche des Rubels braucht man aber doch wohl eher einen längeren Atem bei Investments in Russland?

Dix: Diese Sicht ist nach meiner Einschätzung absolut zutreffend. Die Zeit der hohen Kapitalrenditen ist zwar nicht grundsätzlich vorbei - doch inzwischen muss man die Investitionsobjekte noch sorgfältiger auswählen. In der Vergangenheit war der russische PE-Markt sehr stark fokussiert auf Wachstumskapital. Inzwischen müssen sich große, internationale PE-Häuser noch stärker darauf konzentrieren, welche eigenen Stärken und welche Expertise sie hier bei ihren Investments einbringen können, um die Anlage erfolgreich zu entwickeln.

Wie sehr behindern Bürokratie und regulatorische Vorgaben den PE-Markt in Russland?

Dix: Ohne Frage haben wir hier in diesem Bereich unverändert einige signifikante Hürden, viel "red tape", die Investments für PE-Häuser, aber auch für strategische Investoren erschweren. Gerade deshalb ist es entscheidend, sich das Wissen um die rechtlichen Rahmenbedingungen und die lokale Gegebenheiten anzueignen oder sich entsprechende Unterstützung von versierten, ländererfahrenen Beratern zu holen. In manchen Bereichen kann es darüber hinaus sinnvoll und hilfreich sein, sich mit einem russischen Partner zusammenzutun, um als ausländischer Investor hier im Land den Deal erfolgreich abzuschließen.

Wie werden sich Ihrer Meinung nach die Investment-Deals in der nächsten Zeit entwickeln?

Dix: Wir registrieren derzeit ein steigendes Interesse, welches sich mittelfristig sicher auch in einer größeren Anzahl von Deals niederschlagen könnte. Angesichts der gesunkenen Preise und der größeren Zahl an attraktiven Anlagemöglichkeiten steht Russland inzwischen verstärkt im Blickpunkt internationaler Investoren und PE-Häuser. Noch liegt der Branchenfokus zwar auf den traditionellen Sektoren Energie und Rohstoffe, die sich nach dem Ende der Wirtschaftskrise in Russland am ehesten erholen werden. Mit einer langfristigeren Investment-Strategie könnte sich der Trend jedoch zunehmend auch auf den Bereich Diversified Industrials verlagern.

Sehen Sie hier das komplette englischsprachige Interview
(Mitschnitt vom 05. Juni, Veröffentlichung mit Zustimmung von Reuters TV)

 

Zum Herunterladen

KPMG's Russian private equity survey 2009

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Datum: 28.08.2009 | Größe: 1048,29kB

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