KPMG´s EMIAT 2/2009: Indien gibt bei Auslandsinvestments seine Führungsrolle an China ab
Mit etwas Verspätung spüren auch die Wachstumsmärkte die Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Die Anzahl der Übernahmen von Unternehmen in den Industriestaaten durch Investoren aus den Wachstumsländern nehmen dramatisch ab.
Die signifikantesten Rückgänge verzeichnet der ehemalige Spitzenreiter Indien. Dennoch bleiben die Zukunftsaussichten für M&A-Deals in den Wachstumsländern weiter positiv.
Dies ist das Ergebnis der im August 2009 veröffentlichten Daten des Emerging Markets International Acquisition Tracker (EMIAT) von KPMG für das erste Halbjahr 2009. Der halbjährlich erhobene EMIAT analysiert Transaktionen zwischen den elf wachstumsstärksten Emerging Markets und den zwölf wichtigsten Industrienationen.
Transaktionen von Wachstumsländern in Industriestaaten haben sich halbiert
Demnach sank die Anzahl an Transaktionen von Wachstumsländern zu Industriestaaten in der ersten Jahreshälfte 2009 um 50 Prozent, während die Übernahmen von Unternehmen in den Emerging Markets durch Investoren aus den Industrieländern um knapp 20 Prozent zurückging.
Der neue EMIAT für die erste Jahreshälfte 2009 belegt 70 Übernahmen von Unternehmen in den Industriestaaten durch Investoren aus Schwellenländern - der niedrigste Stand seit der ersten Jahreshälfte 2005. Umgekehrt wurden 360 Übernahmen von Unternehmen aus den Industriestaaten in den Emerging Markets verbucht.
China hält Transaktionsniveau stabil, Indiens Unternehmen vorsichtig
Mit zehn getätigten Transaktionen und damit einem Rückgang von 75 Prozent (im zweiten Halbjahr 2008 waren es noch 39) gibt der jahrelange Spitzenreiter Indien seine Führungsrolle an China (16 Deals) ab und wird von den Staaten Mittel- und Osteuropas (12 Deals) sowie Russland (11 Deals) sogar auf Platz 4 verdrängt.
China bleibt mit 16 Transaktionen der einzige Lichtblick. Auch wenn die Zahl absolut betrachtet nicht groß ist, so ist es China dennoch als einzigem Land gelungen, seine Anzahl an Übernahmen stabil zu halten.
Dennoch bleibt Indien mit 410 Transaktionen seit 2003 weiterhin die Nation mit dem größten Appetit nach M&A-Deals im Ausland, gefolgt von China mit 179 und den Staaten des Nahen Ostens mit 145 M&A-Transaktionen. Die meisten Übernahmen wurden in Amerika durchgeführt (351), dicht gefolgt von den UK mit 250.
Positiver Trend: Weniger, dafür strategisch wichtige Transaktionen
Im Kontext der weltweiten Wirtschaftskrise war der weltweite Rückgang an M&A-Deals in den Wachstumsmärkten absehbar. Dennoch sehen KPMG-Länderspezialisten weiterhin einen positiven Trend für zukünftige Investitionen in diesem Bereich. Die im ersten Halbjahr 2009 durchgeführten Transaktionen zeigten einen Trend hin zu weniger, dafür strategisch immer wichtigeren Übernahmen. Darüber hinaus sei das Transaktions-Niveau der Wachstumsmärkte untereinander weiterhin sehr rege.
Thorsten Amann, Leiter der High Growth Markets Practice von KPMG, kommentiert die Ergebnisse:
"Rein nach dem Transaktionswert betrachtet, spiegeln die neuesten EMIAT-Kennzahlen nicht das wahre Bild auf dem M&A-Markt wider. Auf den ersten Blick sehen 70 Übernahmen sehr wenig aus für die Nationen, die als wichtigste aufstrebende Wirtschaftsmächte der Welt betrachtet werden. Allerdings sind darin einige strategisch sehr wichtige und volkswirtschaftlich bedeutende Investitionen enthalten.
Viele Regierungen drängen Konzerne derzeit dazu, strategisch, aber doch sehr selektiv bei ihren Akquisitionen vorzugehen. Deshalb könnte der aktuelle EMIAT den Trend für die Zukunft zeigen: Weniger ist mehr.
Auf der andern Seite gilt auch zu bedenken, dass eine Menge Deals zwischen den Wachstumsmärkten abgewickelt werden. Ein Großteil davon findet unbemerkt und fernab der Kameras der westlichen Medienwelt statt.
Diese Entwicklung wäre ein Argument für die These, dass die Käufer in den Wachstumsmärkten derzeit einen Entwicklungsschritt nachholen. In den vergangenen drei Jahren begab sich beispielsweise Indien sofort auf das vergleichsweise schwierige Parkett des europäischen Markts. Jetzt richtet sich das Augenmerk der indischen Unternehmen verstärkt auf Akquisitionen in anderen Wachstumsländern.
China dagegen, dessen Unternehmen sich bei Akquisitionen zunächst auf den attraktiveren, renditestärkeren Binnenmarkt konzentriert hatten, realisiert nun nicht nur in Europa, sondern zugleich auch in anderen Wachstumsmärkten, insbesondere in Afrika, neue M&A-Transaktionen."
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Der halbjährlich von KPMG veröffentlichte EMIAT berücksichtigt abgeschlossene M&A-Deals, die mindestens zu einer Beteiligung von 10 Prozent am Kaufobjekt führten. Die Daten beruhen auf Material von Zephyr / Bureau von Dijk Electronic Publishing.
Die Untersuchung berücksichtigt die Übernahmeaktivitäten zwischen zwölf ausgewählten Industriestaaten - Großbritannien, USA, Kanada, Spanien, Frankreich, Deutschland, Holland, Italien, Südafrika, Australien, Israel und Japan - sowie elf ausgewählten Emerging Markets: Indien, China, Russland, Brasilien, Südkorea, Vietnam, Macau, Hongkong, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Mittel- und Osteuropa (als eine Gesamtregion).
Lesen Sie hier die grafische Auswertungen zur Studie
KPMG`s Emerging Markets International Acquisition Tracker (EMIAT) - Summer 2009
Eine grafische Auswertung der EMIAT-Studie
Datum: 09.09.2009 | Größe: 1381,73kB
Thorsten Amann
T +49 89 9282-1115
tamann@kpmg.com
Partner, Leiter High Growth Markets Practice
KPMGGanghoferstraße 29
80339 München
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