Herausforderung Klimawandel
Naturkatastrophen haben 2007 gesamtwirtschaftliche Schäden von rund 75 Milliarden US-Dollar verursacht - rund 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Ob Wirbelstürme, Überschwemmungen, strengere Umweltschutzauflagen, spezielle Energiesteuern, Reputations- oder Haftungsrisiken: Keine einzige der untersuchten Branchen ist dagegen wirklich schon gut gewappnet.
Unternehmen sind nur unzureichend auf die Risiken des Klimawandels vorbereitet, so lautet das Ergebnis der KPMG-Studie "Climate Changes Your Business". Besonders alarmierend: Selbst jene Unternehmen, die ansonsten über gut funktionierende Risikomanagementsysteme verfügen, vernachlässigen in ihrer Berichterstattung meist die Klimarisiken.
Unternehmen treffen nur unzureichende Vorkehrungen
"Nicht so augenfällig, aber ebenfalls bedeutend, sind neue Vorschriften und Marktveränderungen, die mit dem Klimawandel einhergehen", sagt René Bräunig, Mitarbeiter des Sustainability-Teams bei KPMG. "Denn auch daraus resultieren zum Teil schon heute bedeutende Risiken für Unternehmen."
Grafik: Klimarisiken - Branchen unterschiedlich betroffen (JPG, 46.5 KB)
Besonders gefährdet sind die Branchen Erdöl/Erdgas, Luftfahrt, Gesundheit, Tourismus und Transport, aber auch der Finanzdienstleistungsbereich. Denn Banken oder Fondsgesellschaften sind oftmals über die Anteile der Firmen, die sie in ihren Portfolios halten, indirekt von der Klimaschutzproblematik betroffen. Das Verlustpotenzial ist bedeutend, da der Anteil CO2-intensiver Branchen in den Portfolios hoch ist. Vor allem kleinere Institute haben der Studie zufolge bislang nur unzureichend Vorkehrungen dagegen getroffen.
Automobilsektor mit besonders hohen Defiziten
Ausgerechnet im Automobilsektor, der besonders stark von den neuen Regularien betroffen ist, stellen die Autoren Defizite fest. Die Branche steht im Mittelpunkt der öffentlichen CO2-Diskussion. Bis 2017 werden durch die CO2-Regulierung Zusatzkosten zwischen 600 und 3.000 Euro je Fahrzeug erwartet. Der Markenwert der Hersteller wird mehr und mehr davon abhängen, ob sie einen glaubwürdigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Beispiel Toyota: Der Konzern hat sich früh als Technologieführer bei Hybridautos positioniert und damit in der öffentlichen Wahrnehmung viele Pluspunkte gesammelt.
Wer dagegen vor möglichen Risiken im Zusammenhang mit dem Thema Klimaschutz die Augen verschließt, handelt kurzsichtig. Zwar mögen beispielsweise Compliance-Maßnahmen auf den ersten Blick teuer sein, doch sie zu ignorieren kann drastische Strafen und Wettbewerbsnachteile nach sich ziehen. Die wieder zunehmende Aufmerksamkeit, die Umweltschutzthemen in der Öffentlichkeit zuteil wird, stellt ein hohes Risiko für Firmen dar, die als "low performer" wahrgenommen werden.
Klagen gegen Unternehmen nehmen zu
Klagen gegen Unternehmen wegen der Emission großer Mengen Treibhausgas sind auf dem Vormarsch. Vor allem in den USA: Hier ging der Staat Kalifornien gegen sechs Autohersteller wegen der durch Autoabgase verursachten Umweltschäden vor. In Mississippi verlangten Privatpersonen von Energieerzeugern Ausgleich für Schäden durch den Hurrikan Katrina, da dieser durch Klimaveränderungen verursacht worden sei.
Zwar seien solche Klagen bislang nicht erfolgreich gewesen, aber sie werden die Gerichte in Zukunft immer häufiger beschäftigen, glaubt J. Kevin Healy von der Beratungsfirma Bryan Cave. Für die Zukunft erwartet der Experte außerdem Klagen von Aktionären gegen das Management von Kapitalgesellschaften wegen Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit dem Klimaschutz. Unternehmen, die viel CO2 emittieren, tun darum gut daran, die juristischen Folgen zu prüfen und ihre Strategie anzupassen.
Lesen Sie, wie Unternehmen vom Klimaschutz profitieren können.
Unternehmen sind aufgrund des Klimawandels vielfältigen Risiken ausgesetzt, aber noch nicht richtig auf entsprechende Auswirkungen vorbereitet. Zu diesem Ergebnis kommt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG in ihrem Bericht "Climate Changes your Business".
Datum: 01.04.2008
Prof. Dr. Jochen Pampel
T +49 40 32015-5550
jpampel@kpmg.com
Partner
KPMG
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