Umfeldanalyse
Wie entwickelt sich der Markt, was macht der Wettbewerb, worauf achten Banken bei der Kreditvergabe? Unternehmen müssen wissen, was in ihrem Umfeld passiert - und stehen selbst unter Dauerbeobachtung.
Unklare Konjunkturaussichten, verschärfter Wettbewerb, verunsicherte Mitarbeiter - nicht nur in Krisenzeitenist das das Umfeld, in dem Unternehmen agieren, in Bewegung. Zugleich wachsen die Ansprüche der externen Stakeholder. Banken, Investoren oder die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) verfolgen zwar ganz unterschiedliche Ziele und Interessen. Eines fordern aber alle: Transparenz.
Die schlechte wirtschaftliche Lage der verangenen Jahre hat deutlich gemacht, was auch für gute Zeiten gilt: Nur Unternehmen, die kontinuierlich ihr Umfeld analysieren, sind in der Lage, rechtzeitig und angemessen auf neue Entwicklungen zu reagieren. „Die Unternehmensplanung muss immer zweifach auf den Prüfstand: aus interner und aus externer Sicht", betont KPMG-Partnerin Vera-Carina Elter. „Nur so lassen sich die Erwartungen der unterschiedlichen Stakeholder erkennen und erfüllen."
Perspektive wechseln
Bei Verhandlungen mit externen Geldgebern wird deutlich, wie wichtig dieser Perspektivwechsel ist. Umfragen der Bundesbank zufolge haben die Finanzinstitute ihre Kreditkonditionen in der Krise verschärft und die eigenen Margen kräftig ausgeweitet. Auch die Beurteilung der Profitabilität spielt bei der Kreditvergabe eine entscheidende Rolle - gute Bonität allein reicht oft nicht aus.
Kommen Kreditverträge zustande, sind sie häufig mit strengen Zielmarken für Liquiditäts-, Profitabilitäts- und Verschuldungskennzahlen ausgestattet. Verfehlt ein Unternehmen diese Covenants, steigen in der Regel die Kreditkosten - oder die Anschlussfinanzierung ist gefährdet. Deshalb ist von Anfang an größtmögliche Glaubwürdigkeit bei Finanzstruktur und operativer Performance zu schaffen.
Belastbare Informationen notwendig
Schon vor Verhandlungen mit Geldgebern sollten belastbare Informationen zur Unternehmenssituation vorliegen, die auch die Einschätzungen des Kapitalmarktes reflektieren. Wer einschlägige Kennzahlen vergleicht, kann Rückschlüsse auf die aktuelle Situation, aber auch auf die Zukunftsaussichten eines Unternehmens oder der Branche ziehen.
Ein Beispiel: Die Quick Ratio, auch Liquidität zweiten Grades genannt, beschreibt das Verhältnis des Geldvermögens zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Der Return on Assets, die Gesamtkapitalrentabilität, zeigt, wie effizient der Kapitaleinsatz innerhalb eines Geschäftsjahres war. Stellt man diese Kennzahlen gegenüber, lässt sich - die Kenntnis des Geschäftsmodells vorausgesetzt - einschätzen, ob ein Unternehmen eher Liquidität vorhalten oder vorhandenes Kapital investieren kann.
Stimmen die eigenen Erwartungen?
Auch die DPR behält die Zukunft stets im Blick. Vor Beginn jedes Kalenderjahres legt sie ihre Prüfungsschwerpunkte neu fest. „Die Auswahl der Schwerpunkte ist seit 2008 geprägt durch die Finanzkrise", sagte DPR-Präsident Herbert Meyer 2009.
Untersucht wurden in den Folgejahren unter anderem die Zweckgesellschaften und Finanzinstrumente. „Mit Blick auf die deutlich verschlechterten Konjunkturaussichten haben wir 2009 weitere Prüffelder festgelegt: Restrukturierungsrückstellungen und Risikoberichterstattung", erläuterte Meyer.
Im Blick: Impairment Tests
Schlechte konjunkturelle Aussichten spielen auch bei der Prüfung der durchgeführten Impairment Tests eine wichtige Rolle. Die DPR verlangt eine ausführliche Dokumentation und Begründung für die Ableitung und Verwendung der Prämissen und Parameter. Grundsätzlich zu berücksichtigen sind auch die Wettbewerbssituation und die Markterwartungen in der eigenen Branche.
Auch für Unternehmen, die keinen Impairment Test durchführen müssen, ist ein Benchmarking wichtig. Aufschlussreich ist etwa die Gegenüberstellung geplanter Wachstumsraten und der Planungstreue in Form eines mehrjährigen Soll-Ist-Vergleichs. Besonders bei einer ambitionierten Planung mit vergleichsweise hoher Wachstumsrate sollte die Planungstreue aus der Vergangenheit dokumentiert sein.
Umfeldanalyse erhöht Planungssicherheit
Letztlich muss ein Unternehmen das gesamte makroökonomische Bild betrachten. Das Management steht vor folgenden Kernfragen: Wie sehen künftig die Rahmenbedingungen in den Absatz- und Beschaffungsmärkten aus? Wie gut sind wir auf diese Entwicklung vorbereitet? Wie zukunftsfähig ist unser Geschäftsmodell mit Blick auf Trends, Strategien, Investitionsvolumen und Werttreiber? Bilden die Planzahlen diese ab?
Die Umfeldanalyse zeigt der Unternehmensführung, wie stark sich die eigenen mit den Erwartungen des Marktes decken. „Der Blick von außen wird auch für nicht börsennotierte Unternehmen immer wichtiger", sagt Elter. Selbst mittelständische und Familienunternehmen müssen sich verstärkt mit Umfeldanalysen auseinandersetzen, um die erhöhten Anforderungen von Stakeholdern im Hinblick auf Planungssicherheit zu erfüllen und um schneller auf Veränderungen reagieren zu können.
Auf Basis einer fundierten Umfeldanalyse lässt sich beispielsweise besser abschätzen, ob die Übernahme eines Wettbewerbers sinnvoll und auch zu stemmen ist.
Benchmarking verbessert Unternehmenssteuerung
Die Ergebnisse des Benchmarking und der Marktbeobachtung fließen zugleich auch in die Unternehmenssteuerung und in die Risikoanalyse mit ein. Die unterjährige Planung verbessert sich deutlich. Das Unternehmen gewinnt an Handlungsfähigkeit. In Krisenzeiten - und vor allem für die Zukunft.
Prof. Dr. Vera-Carina Elter
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Partnerin
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