Neuorientierung nach der Krise

Höhere Finanzierungskosten und größere Risikovorsorge haben das Auslandsgeschäft grundlegend verändert. Die Anpassungen an die neuen Marktbedingungen sind vielerorts noch nicht abgeschlossen. Zugleich bietet sich für robust aufgestellte Unternehmen die Chance für Übernahmen. 

Für internationale Investoren bedeutete die globale Wirtschaftskrise eine Zäsur ihrer Geschäftsaktivitäten in den Wachstumsmärkten. Diese Märkte waren ebenso wie Europa, Japan und die USA von der Finanzkrise und ihren tiefgreifenden Folgen für die Realwirtschaften betroffen.

Dank schneller und umfangreicher staatlicher Intervention gelang es jedoch einigen dieser Staaten - insbesondere China, aber auch Indien oder Brasilien -, ihre Wachstumsraten zu stabilisieren. Die Auswirkungen auf die Leistung ihrer Volkswirtschaften konnten sie so relativ gering halten. China glänzte bereits wieder mit fast neun Prozent Wachstum im dritten Quartal 2009.

Binnennachfrage zieht stark an
Verantwortlich sind unter anderem die stark anziehende Binnennachfrage und eine großzügige Kreditvergabe an einheimische Unternehmen. Umgerechnet mehr als 520 Milliarden Euro an neuen Krediten hatten Chinas Staatsbanken allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 vergeben - im Vergleich zum Vorquartal ein Anstieg von mehr als 200 Prozent.

Brasilien erwartet für 2009 zwar noch Nullwachstum. Im kommenden Jahr kann das Land nach den Erwartungen der Economist Intelligence Unit jedoch bereits wieder ein Plus der Wirtschaftsleistung um 4,8 Prozent erreichen. Die Beispiele zeigen: Die Wachstumsmärkte bleiben auch in der Krise attraktiv für ausländische Investoren.

Mit Transaktionen die Marktposition verbessern
Sind ausreichende Finanzmittel vorhanden, können robust aufgestellte Unternehmen in den Wachstumsmärkten jetzt die Chance für Übernahmen nutzen. Dabei muss es nicht immer um den Kauf ganzer Konzerne gehen, sondern zum Beispiel auch um einzelne Fabriken oder Produktionsstandorte, die für die Konkurrenz strategisch an Bedeutung verloren haben.

Dies bietet robust aufgestellten Unternehmen die Möglichkeit, asynchron zu wachsen. Mithilfe einer solchen Transaktion könnten sie etwa deutlich schneller die Rentabilität und die Wertschöpfung ihrer Auslandsgesellschaft steigern. Eine Übernahme kann auch dazu beitragen, die Marktposition im Land im Vergleich zu anderen Wettbewerbern strategisch zu verbessern.

Finanzinvestoren und Sovereign Wealth Funds sowie manche staatlichen Unternehmen aus Asien und der Golfregion haben die deutlich gesunkenen Unternehmenswerte bereits genutzt. Sie erwarben in den vergangenen Monaten strategische Beteiligungen an Rohstoff-, Technologie- und Finanzkonzernen in anderen Wachstumsmärkten, aber auch in Industrienationen. Beispiele sind etwa die Beteiligungen der Emirate von Abu Dhabi und Katar bei deutschen Automobilherstellern.

Chinesische Unternehmen stark aktiv
Verstärkt aktiv wurden auch chinesische Unternehmen: So kündigte etwa der Ölkonzern Sinopec im Juni an, für mehr als sieben Milliarden US-Dollar die Schweizer Addax Petroleum zu übernehmen. Addax ist einer der größten internationalen Öl- und Gas-Explorationsunternehmen mit Fokus auf Afrika sowie den Nahen und Mittleren Osten.

Ausländische Kapitalgeber, bislang mitunter mit Skepsis betrachtet, sind nun immer öfter willkommene Helfer bei der Krisenbewältigung. Bei allen Transaktionen ist jedoch gerade jetzt eine detaillierte Analyse notwendig, um versteckte Risiken aufzudecken und eine realistische Kaufpreisermittlung sicherzustellen. Diese können durch Gutachten externer Prüfer und Berater mit branchen- und länderspezifischem Fachwissen untermauert werden.

Eine begleitende Dokumentation der Entscheidungsfindung im Rahmen des M&AProzesses ist unerlässlich. Auch die Analyse des Marktumfelds und der Wettbewerbersituation am Auslandsstandort ist zuvor zu aktualisieren. Die dynamische Marktsituation der vergangenen Monate kann das Kräfteverhältnis grundlegend verschoben haben.

Transferrisiko: Neues Vertrauen schaffen
Unverändert belastend sind die gestiegenen Kosten zur Finanzierung des Auslandsgeschäfts. Dies kann die Unternehmen mittelfristig als Herausforderung begleiten. Die Risikoaufschläge der Kapitalgeber auf die Kreditzinsen sind unverändert hoch.

Im Zentrum steht dabei das in der Krise gestiegene Transferrisiko. Es bewertet die aktuelle politische, finanzielle und regulatorische Gefahrenlage, der Investitionen im jeweiligen Land ausgesetzt sind, in Form eines Länder-Ratings. Ungarns Bonitätsnoten zum Beispiel haben sich im Zuge der Finanzkrise deutlich verschlechtert. Die Ratings sind entscheidend für die Gestaltung der Risikoaufschläge - auch bei neuen Investments.

Wertgutachten können Kreditkosten senken
Konzerne müssen durch eigene Initiative zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um die Bonität und Besicherung ihres grenzüberschreitenden Engagements nachzuweisen. Zum Beispiel können Wertgutachten das Risiko - und damit die Kreditkosten - für wichtige Assets senken. Ein Screening der Finanzlage wichtiger ausländischer Kooperationspartner, Abnehmer und Lieferanten steigert die Transparenz und erleichtert die Einschätzung von Ausfallrisiken.

Die High Growth Markets sind eine der wenigen verbliebenen Wachstumsregionen für Unternehmen und einer der möglichen Schlüssel, um die Krise rasch und erfolgreich zu bewältigen. Deshalb sollten Unternehmen ihre Auslandsstrategie auf den Prüfstand stellen. Einige zwingt der finanzielle Druck dazu, das internationale Engagement zurückzuschrauben oder gar ganz aufzugeben. Anderen bietet sich die Möglichkeit, ihr Auslandsgeschäft durch neue Impulse und strategische Entscheidungen zum Erfolg zu führen.

 

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Entschlossen handeln

Entschlossen handeln: Erfolgreich aus der Krise

Die schwerste Phase der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise scheint überwunden - aber die Folgen des Einbruchs werden noch lange zu spüren sein. Mit "Entschlossen handeln" möchte KPMG Unternehmen eine Orientierungshilfe bieten, um sich auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten. Die Publikation skizziert makroökonomische Entwicklungen, analysiert Chancen und Risiken in den Branchen und geht auf wichtige strategische Themen ein.

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Ansprechpartner

Thorsten Amann

Partner, Leiter High Growth Markets Practice

KPMG
Klingelhöferstr. 18
10785 Berlin

T +49 30 2068-1144 | tamann@kpmg.com

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