Boom am Bosporus

Die türkische Automobilbranche hat kräftig expandiert: Derzeit arbeiten rund 300.000 Beschäftigte bei den 17 Herstellern und rund 4.000 Zulieferunternehmen. Das Land lockt nicht nur mit einem prosperierenden Binnenmarkt. Die Türkei ist zudem ein attraktiver Standort für den Sprung in andere Länder.

Die Automobilproduktion gehört zu einem der wichtigsten volkswirtschaftlichen Standbeine der Nation. Mit einem Produktionsvolumen von knapp 1,1 Millionen Pkws, Lkws und Bussen ist die Türkei immerhin unter den 17 größten Fahrzeugherstellern der Welt zu finden.

Und ein Ende des Marktwachstums ist längst noch nicht abzusehen. Für das laufende Jahr etwa gehen die Branchenverbände von einer weiteren Steigerung auf rund 1,2 Millionen produzierte Fahrzeuge aus, da drei Viertel aller türkischen Haushalte noch kein eigenes Auto besitzen.

Asbau des Straßennetzes
Experten prophezeien zudem, dass auch die Nutzfahrzeugherstellung zum Transport von Gütern weiter boomen wird: Bis 2023 sollen nach Angaben der Generaldirektion für Straßenwesen rund 75 Milliarden Euro in den Ausbau des türkischen Fernstraßennetzes fließen.

Doch nicht nur der prosperierende Inlandsmarkt lockt zahlreiche ausländische Investoren an. Die Türkei dient vor allem als Sprungbrett in andere Länder - immerhin werden acht von zehn Fahrzeugen exportiert. So machen viele europäische Unternehmen dort Zwischenstation, wenn sie planen, Nordafrika, den Kaukasus, den Nahen Osten oder sogar Asien zu erobern.

Wichtiges Abnehmerland Irak
Die Türkei unterhält mit zahlreichen Ländern Handelsabkommen, deren nationale Märkte von Europa aus nur unter Einhaltung strenger Auflagen zu erreichen sind. So ist beispielsweise der Irak 2010 an die vierte Stelle der Abnehmerländer der Türkei aufgerückt.

Für die Expansion auf den amerikanischen Kontinent birgt der Standort ebenfalls Vorteile. Auch die asiatischen Automobilhersteller - allen voran die chinesischen - nutzen die Türkei als Zwischenschritt auf dem Weg nach Europa.

Elektroautos für Istanbul
Die Fahrzeughersteller wollen sich auch vermehrt mit der Produktion von Elektrofahrzeugen beschäftigen. Damit auch der inländische Absatzmarkt für alternative Antriebsquellen attraktiver wird, zeigt die öffentliche Hand jetzt verstärkt Engagement für elektrisch betriebene Neuentwicklungen. So soll noch in diesem Jahr in Istanbul eine Infrastruktur für Elektroautos aufgebaut werden.

Firmen, die sich an der Entwicklung innovativer Antriebstechniken beteiligen, werden zusätzlich vom Staat unterstutzt: Sie können zum Beispiel die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bis zu 100 Prozent von der Steuer absetzen.

 

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