Interview Gesundheit: Kapitalgeber wollen Transparenz und Glaubwürdigkeit
Der Krankenhaussektor verändert sich rasant. Die Krankenhäuser haben inzwischen eine sehr differenzierte Ausgangssituation für ihre zukünftige Entwicklung. Neben einer modernen Infrastruktur, einer guten Wirtschaftlichkeit und einem positiven Wettbewerbsumfeld ist es in dem sich immer mehr verstärkenden Wettbewerb von Bedeutung, die Wirtschaftlichkeit ihres Handelns korrekt und zeitnah nachzuweisen. Nicht nur, um schnell reagieren, sondern auch, um potenziellen Kapitalgebern ein transparentes Rechenwerk vorweisen zu können. Das ist vielen Häusern derzeit noch nicht möglich. Wie sich Klinikunternehmen den neuen Herausforderungen stellen, welche Anforderungen sie erfüllen müssen, erklären im KU-Fachgespräch Prof. Dr. Volker Penter, Leiter des Bereichs Gesundheit der KPMG in Deutschland, und Dr. Bernd Siefert, Regionaleiter Gesundheit Mitte bei der KPMG.
Herr Professor Penter Sie prüfen viele Krankenhäuser - wie geht es der Branche aus Ihrer Sicht derzeit? Wo sehen Sie die größten Probleme?
Prof. Dr. Volker Penter: Wesentliche Problembereiche der deutschen Krankenhäuser sind unzureichende Investitionen, steigende Personalkosten, sich ständig ändernde politische Rahmenbedingungen aber auch immer noch das Festhalten an alten Denkmustern. Das Bild ist hier allerdings nicht einheitlich. Es gibt gut aufgestellte Krankenhäuser genauso wie schlechte. Regional, größenabhängig, aber auch trägerbezogen bestehen erhebliche Unterschiede.
Die Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser über staatliche Fördermittel ist ja seit Jahren ein heikles Thema. Die Länder kommen hier ihren Verpflichtungen schon längst nicht mehr umfassend nach. In den kommenden Jahren werden vermutlich die meisten Bundesländer auf Investitionspauschalen umsteigen. Wird das die Situation der Häuser verbessern?
Prof. Dr. Penter: Sicher werden einige von ihnen profitieren. Insgesamt ist aber nicht zu erwarten, dass die Pauschalen die Lage verbessern. Mehr Geld wird es nicht geben. Wir wissen ja alle, dass sich seit Jahren die Höhe der öffentlichen Fördermittel zur Investitionsfinanzierung reduziert. Die Krankenhäuser müssen also ihre Investitionen zunehmend mit alternativen Mitteln finanzieren. Dass sie das tatsächlich tun, lässt sich an der steigenden Anzahl und Höhe von Bankkrediten ersehen, die sich wiederum anhand der Entwicklung der anteiligen Zinsaufwendungen im Durchschnitt der deutschen Krankenhäuser ablesen lässt. Während die gesamten Kosten der Krankenhäuser von 2002 bis 2007 um etwa 10 Prozent gestiegen sind, betrug der Anstieg der Zinsaufwendungen 57 Prozent.
Wir sind schon auf dem Weg in die Monistik, ist oft zu hören.
Dr. Bernd Siefert: Der bestehende Investitionsstau wird sich nicht mit Hilfe der Fördermittel des Staates auflösen lassen - insofern sind wir das tatsächlich. Die Krankenhäuser nutzen Möglichkeiten wie zum Beispiel - zeitweilig oder auch dauerhaft - Bankkredite, Leasing, PPP-Modelle, die Beteiligung privater Eigenkapitalgeber.
Darauf wird aber nicht jedes Krankenhaus rechnen können. Was erwarten Kapitalgeber?
Dr. Bernd Siefert: Die Kapitalgeber erwarten zum Beispiel ein zuverlässiges, zeitnahes und transparentes Rechenwerk in guter Qualität. Dazu sind aber manche Krankenhäuser heute noch nicht in der Lage. Krankenhäuser mit einem frühen Jahresabschluss dokumentieren dagegen damit auch, dass die interne Organisation ihres Rechnungswesens hohen Anforderungen gerecht wird. Schon das Datum des Jahresabschlusses bietet einem Kreditgeber einen Hinweis darauf, wie gut das Rechnungswesen eines Krankenhauses organisiert ist und wie stark das Krankenhaus daran interessiert ist, diesen Jahresabschluss frühzeitig der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Was wollen Kapitalgeber außerdem noch wissen?
Dr. Bernd Siefert: Sie sind sehr interessiert an weiteren Informationen zur wirtschaftlichen Lage und zur zukünftigen Entwicklung des Krankenhauses. Immer wichtiger wird daher die Lageberichterstattung. Wichtiger werden auch rechnungslegungsnahe Bereiche wie das Risikomanagement, die interne Revision und Unternehmensplanung. Alles muss transparent und glaubhaft dargestellt werden.
Ist es in diesem Zusammenhang auch wichtig, sich an internationalen Vorschriften der Rechnungslegung zu orientieren?
Prof. Dr. Volker Penter: Viele Krankenhäuser privater Träger tun das bereits und es ist auch den anderen größeren Krankenhäusern zu empfehlen. Es gibt darüber hinaus aber auch zahlreiche neue inhaltliche Fragen der Rechnungslegung, die berücksichtigt werden müssen. Wichtig ist, z.B. bei der Ausweitung der Geschäftsfelder und Änderung der Rechtsformen, die dazu gehörenden steuerlichen Vorschriften zu beachten. Wenn Tochtergesellschaften gegründet oder das Unternehmen in eine Holdingstruktur übergeleitet wird, führt das häufig zur Pflicht, einen Konzernabschluss aufzustellen. Anteilseigner, Gläubiger und Öffentlichkeit wollen entscheidungsrelevante Informationen haben.
Wichtige Informationen liefert auch die Unternehmensplanung. Ein Stiefkind im deutschen Krankenhaus?
Prof. Dr. Volker Penter: Heute ist gerade angesichts der raschen Veränderungen vieler sozialer, technischer und ökonomischer Größen im Krankenhaus eine detaillierte Planung unumgänglich geworden. Sie schließt zwar eine verfehlte Unternehmenspolitik nicht völlig aus, bietet aber größeren Schutz vor wirtschaftlichem Misserfolg und hilft, zukünftige Risiken, aber auch Möglichkeiten, sichtbar zu machen. Sie trägt zur Transparenz und zur Strukturierung von Problemen bei, führt zu bestimmten Erwartungen und Einstellungen, fördert die Kommunikation und dient als Koordinationsinstrument von Unternehmenszielen und Tätigkeiten.
Das vollständige Interview können Sie in der Zeitschrift KU-Gesundheitsmanagement 04/2010 nachlesen.
Kompendium Krankenhaus-Rechnungswesen: Grundlagen, Beispiele, Aktuelles, Trends
Aktuelle und praxisnahe Informationen zu den Besonderheiten der externen Rechnungslegung im Krankenhaus stehen im Mittelpunkt des neuen Fachbuchs "Kompendium Krankenhaus-Rechnungswesen" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG. Darüber hinaus behandelt es Themen wie Konzernabschluss, Risikomanagement und Unternehmensplanung.
Datum: 01.04.2010
Prof. Dr. Volker Penter
T +49 30 2068-4740
vpenter@kpmg.com
Partner
KPMG
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