Auslandsstrategie: Die nächsten Wachstumsmärkte
Die Auslandsaktivitäten haben sich zu einem Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft entwickelt. Für entschlossene Unternehmer bietet dies neue Geschäftsperspektiven.
Nach einem Rückgang der Direktinvestitionen im Krisenjahr 2009 um volle 50 Prozent wenden sich deutsche Unternehmen wieder verstärkt ausländischen Märkten zu. Laut einer aktuellen DIHK-Umfrage wollen in diesem Jahr mehr Unternehmen im Ausland investieren. Der Anteil derjenigen, die stärker auf das Ausland setzen, hat sich von 16 auf 22 Prozent erhöht.
Aufstrebende Märkte vergrößern Vorsprung
Der Einbruch im Jahr 2009 dürfte sich somit als vorübergehendes Phänomen erweisen. Denn die Wirtschaft in den aufstrebenden Märkten Asien, Lateinamerika und Afrika ist selbst im Jahr der Krise stark gewachsen. Dadurch dürfte auch der Wachstumsvorsprung gegenüber Europa weiter zunehmen.
Wer sich frühzeitig im Ausland positioniert hat, profitierte sogar in der Krise davon: Nach einer Auswertung des Handelsblatts haben Unternehmen mit bedeutendem Asien-Engagement im vergangenen Jahr weiterhin Milliardengewinne verzeichnet, während auf den Westen fokussierte Anbieter häufig in die Verlustzone gerieten.
Akquisitionen: Preise gefallen
Das Auslandsengagement der Unternehmen hat das Niveau der Zeit vor der Krise jedoch nicht wieder erreicht. Für entschlossene Unternehmer bietet das Gelegenheiten: Weil die Preise für Akquisitionen von Unternehmen oder Fertigungsstätten gefallen sind, wird ein günstigerer Einstieg möglich. Zugleich kann sich die Möglichkeit bieten, von schwächeren Konkurrenten aufgegebene Teilmärkte zu erschließen.
Allerdings ist das Geschäft im Ausland auch anspruchsvoller geworden: Wegen des veränderten Marktumfeldes müssen Geschäftspläne überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Risiken wie der Ausfall von Lieferanten oder Kunden sind noch stärker zu berücksichtigen.
Rating und Risiken beobachten
Eine sorgfältige Szenario-Planung ist schon deshalb nötig, um höhere Kosten im Ausland zu vermeiden. Die Kosten für Kredite richten sich auch nach dem Rating der Zielländer - Russland wurde bereits Anfang 2009 herabgestuft, für Thailand stellen die Agenturen wegen der politischen Unsicherheit ein schlechteres Rating in Aussicht.
Dies kann die Zinsen für die Finanzierung neuer Vorhaben steigen lassen. Und selbst die Gesamtbewertung für die Bonität eines Unternehmens kann leiden, wenn es zu sehr in riskant eingestuften Ländern engagiert ist. Mit aktivem Risikomanagement, zusammen mit externen Gutachten über die eigene finanzielle Stabilität und den Wert von Sicherheiten, lässt sich diese Gefahr eindämmen.
Neue Wachstumsmärkte: "Next eleven"
Im Fokus stehen bei deutschen Auslandsinvestitionen derzeit insbesondere China, Indien und der ASEAN-Raum sowie Südamerika.
Als kommende Wachstumsmärkte nach den inzwischen wohlbekannten BRIC-Staaten bieten sich für vorausschauende Unternehmen, aber auch die so genannten „Next Eleven" an: Neben Ländern wie Ägypten, Mexiko, Nigeria und der Türkei mit großen Konsummärkten sind insbesondere Südafrika und Indonesien interessant für Investoren.
Multinationale Konzerne verlagern wichtige Funktionen ins Ausland
Nicht nur die regionale Gewichtung von Auslandsinvestitionen verschiebt sich, sondern auch die Motivation dafür. Mittlerweile steht im Mittelpunkt der Auslandsaktivitäten die Strategie, Unternehmensfunktionen dort anzusiedeln, wo sie den größten Erfolg für das Unternehmen versprechen und wo die neuen Kunden zu finden sind.
Insbesondere multinationale Konzerne haben oft bereits den Großteil ihrer Belegschaft und Umsätze fernab ihres Heimatsitzes. Als Konsequenz daraus hat etwa IBM schon im Jahr 2008 seine Aktivitäten in Lateinamerika, Asien und Osteuropa in einer Organisation mit Hauptquartier in Shanghai gebündelt, Nokia betreibt in China ein Forschungszentrum, in dem auch Telefonmodelle für westliche Märkte entstehen.
Mittelstand: Neue Kunden auf dem internationalen Markt
Auf diese Weise lassen sich lokale Ressourcen nutzen. Zugleich verzahnen sich die Unternehmen noch enger mit Märkten, auf denen die neuen, kaufkräftigen Kunden zu finden sind. Eine solche Strategie wird wegen der Schwäche auf dem Heimatmarkt auch für mittelständische Unternehmen interessanter, die bislang vor allem im EU-Ausland aktiv sind.
Thorsten Amann
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Partner, Leiter International Markets
KPMG
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