KPMG-Studie: Spitzenbeamte beurteilen Verwaltungsreformen skeptisch

In Zeiten wirtschaftlicher Krisen schaut alles auf den Staat: Er soll Banken retten, die Wirtschaft stabilisieren, sozialen Ausgleich sicherstellen, die Renten sichern und dazu noch Staatsschulden abbauen und den demographischen Wandel abfedern. Besondere Verantwortung lastet auf den Führungskräften der öffentlichen Verwaltung. Dennoch gibt es über sie bislang kaum aussagekräftige Daten. Was sind ihre Erwartungen an die Zukunft von Staat und Verwaltung? Wo sehen sie Probleme?

Diesen Fragen ist jetzt die Studie "Verwaltungsführung heute - Ergebnisse einer Führungskräftebefragung in der deutschen Ministerialverwaltung" (PDF, 0,8 MB). nachgegangen. Sie gibt erste Einblicke in die Stärken und Schwächen der deutschen Ministerialverwaltung und deren Modernisierungspotenzial. Hierzu wurden 351 oberste Führungskräfte der Bundes- und Länderverwaltungen befragt. Das Ergebnis: Ein faszinierender Blick hinter die Kulissen des deutschen Staatsapparates.

Die Studie wurde gemeinsam von der Hertie School of Governance, der Universitäten Potsdam und Leipzig mit Unterstützung des von KPMG geförderten Instituts für den öffentlichen Sektor e.V. veröffentlicht. Sie ist die erste bundesweite Befragung dieser Art.

Budgetdruck als größte Herausforderung
Die Studie offenbart, dass die Reformbemühungen der letzten Jahrzehnte aus Sicht der deutschen Spitzenbeamten kaum Fortschritte gemacht haben. Den Nutzen bisheriger Modernisierungsansätze beurteilen die befragten Führungskräfte skeptisch.

Die überwältigende Mehrheit der Beamten (81 Prozent) sieht den Budgetdruck in der Verwaltung zwar als größte Herausforderung, die möglichen Gegenmaßnahmen beurteilen sie jedoch sehr kritisch. Die Bedeutung von e-Government, sowie Reformen im Bereich des Budget¬managements und Haushaltsrechts wird nicht ausreichend erkannt.

Leistungsorientierte Personalauswahl bevorzugt
Auch die Auswahl und Qualifizierung von Führungskräften empfindet die Mehrheit als mangelhaft. Die Befragten wünschen sich eine Verwaltung, die leistungsorientiert und innovationsfähig ist. Als konstruktiven Weg der Modernisierung benennen sie vor allem Personalentwicklungsmaßnahmen sowie eine Reform des Dienstrechts.

Dass die Schere zwischen den Erwartungen an die Leistungsfähigkeit der Verwaltung und den verfügbaren Ressourcen immer weiter auseinandergeht, ist den Führungskräften deutlich bewusst. Gegenüber Lösungsansätzen herrscht jedoch Skepsis vor, wie die Studie belegt. Will der Staat mit Reformen künftig erfolgreich sein, muss er die Spitzenbeamten weitaus stärker in den Blick nehmen, als das bisher der Fall ist.

 

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Verwaltungsführung heute

Über die Führungskräfte der öffentlichen Verwaltung, die eine zentrale Rolle "hinter den Kulissen" der Politik spielen, gab es bislang kaum aussagekräftige Daten. Die Studie gibt erste Einblicke in die Stärken und Schwächen der Ministerialverwaltung und deren Modernisierungspotenzial aus Sicht von 351 Spitzenbeamten.

Datum: 23.09.2010 | Größe: 803,47kB

Foto von Ferdinand Schuster

Dr. Ferdinand Schuster

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