Hochschulwesen und berufliche Bildung in Indien
Seit Herbst 2011 läuft das Jahr "Deutschland und Indien 2011-2012", in dem die Beziehungen zwischen beiden Ländern weiter vertieft werden. Auf Regierungsebene liegt der Fokus unter anderem auf Bildung und Forschung: So soll zum Beispiel ein privater indischer Schulverband in Zusammenarbeit mit dem Auslandsschulprogramm des Auswärtigen Amtes von 2014 an Deutschunterricht einführen. Zum Verband gehören 1000 Schulen mit rund einer Million Schülern.
Neue KPMG-Studie zum indischen Hochschulwesen und ausländischen Investoren
Das neue Gesetz wurde im Mai 2010 im indischen Parlament als sogenannte Foreign Educational Institution Bill (FEB) vorgestellt und unterliegt aktuell noch der Überprüfung auf ergänzende Anmerkungen und Vorschläge. Sobald das Gesetz bestätigt ist, bekommen ausländische Universitäten und Institutionen die Möglichkeit, akademische Abschlüsse in Indien anzubieten und eigene Hochschulgelände zu errichten. Hauptaugenmerk des Gesetzes ist es, über gewisse Vorgaben den Eintritt sowie Ausübung und Verwaltung der ausländischen Bildungseinrichtungen zu regulieren. Genauer informiert dazu die aktuelle KPMG-Studie "Indian Higher Education - The defining years" (PDF, 1.5 MB). Hier finden sich auch Erläuterungen zu den Herausforderungen dieser neuen Gesetzespläne sowie den möglichen Geschäftschancen für Bildungsanbieter und Universitäten aus Deutschland.
Kooperation bei beruflicher Bildung
Weiterhin wird auf dem Subkontinent auch oft beklagt, dass die Absolventen häufig nicht direkt im Beruf einsetzbar seien und ihnen wichtige berufliche Qualifikationen fehlen würden. KPMG-Experten geben in der neuen Studie an, dass weniger als zehn Prozent der Absolventen in der Industrie direkt einsatzfähig wären. Die Arbeitslosenrate von Akademikern wächst in Indien dementsprechend doppelt so schnell wie die Zahl der Neueinschreibungen an den Unis.
Vor diesem Hintergrund sehen Deutschland und Indien insbesondere bei der beruflichen Bildung deutliches Potenzial für eine engere Zusammenarbeit. Insbesondere das Modell der dualen Ausbildung soll für den indischen Arbeitsmarkt umgesetzt werden. Bis 2022 möchte der südasiatische Riese auf diesem Weg jährlich rund 40 Millionen Menschen ausbilden. Bisher sind die staatlichen Berufsschulen allerdings veraltet und die Ausbildung geht nach Einschätzung von Unternehmensvertretern am Bedarf der Wirtschaft vorbei. Konkret sollen Partnerschaften zwischen öffentlichen Bildungseinrichtungen und Privatunternehmen nach deutschem Muster realisiert werden. Weiterhin sind neue Berufsbildungsinstitutionen geplant.
Auch die Ausbildung der Lehrer, die Entwicklung von Kompetenzstandards, die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen sowie das Erstellen von Unterrichtsmaterial werden in der neuen Zusammenarbeit gezielt angegangen.
Deutsche Unternehmen können von deutsch-indischen Bildungsplänen profitieren
Die gemeinsamen Bildungspläne könnten auch deutschen Unternehmen in Indien zugutekommen. Nach Informationen der Deutsch-Indischen Auslandshandelskammer (AHK) beschäftigen die größten deutschen Unternehmen in dem südasiatischen Land insgesamt circa 173.000 Mitarbeiter. Die jährlich durchgeführte Befragung deutscher Unternehmen in Indien ergab, dass ein Drittel der 175 Firmen im Jahr 2012 die Zahl ihrer Beschäftigten um über 20 Prozent erhöhen möchte. Die meisten von ihnen bewerten die Wachstumsaussichten sehr positiv und fast jedes zweite dieser Unternehmen will seine Investitionsaktivitäten in den nächsten drei Jahren stark hochfahren. Weitere 30 Prozent planen, ihre Investitionen auf moderatem Niveau zu erhöhen. Dementsprechend wird auch bei deutschen Firmen in Indien zukünftig mehr qualifiziertes und schnell einsatzfähiges Personal benötigt.
Partnerschaften sind bevorzugtes Modell zum Einstieg in indischen Bildungssektor
Schon jetzt gibt es eine Reihe von Beispielen, wie globale Bildungseinrichtungen in Indien aktiv werden. Die überwiegende Mehrheit nutzt bislang das Modell der Partnerschaft mit einem führenden indischen Bildungsinstitut. Nur wenige haben sich bisher für einen eigenen direkten Einstieg im Land entschieden. Ausländische Interessenten, die in den indischen Bildungsmarkt einsteigen möchten, können dies beispielsweise über internationale Modelle wie Studentenaustausche, Städtepartnerschaften, Forschungspartnerschaften und Fernstudiengänge realisieren. So wurde das Wachstum im Hochschulwesen vor allem durch den privaten Sektor vorangetrieben: Derzeit beläuft sich die Höhe der Einschreibungen im privaten Segment auf über ein Drittel der Gesamtzahl und auf über 80 Prozent bei den professionellen und technischen Angeboten.
Als eines der bereits erfolgreichen Beispiele lässt sich die Partnerschaft zwischen der Harvard Law School und der Jindal Global Law School in Indien nennen. Die amerikanische Universität bietet im Partnerland Gast-Lehraufträge, Forschung und akademische Zusammenarbeit an. Zusätzlich werden gemeinsame Konferenzen mit weiteren Universitäten wie Oxford angeboten, um die Lernerfahrungen von anderen indischen Universitäten deutlich abzuheben. Als vorteilhaft erweisen sich nach KPMG-Experten hier auch die lokale Zusammenarbeit, die geringe finanzielle Investition und der globale Auftritt für Fakultät und Studenten. Dies und weitere Erfahrungen, die sich aus bereits bestehenden Kollaborationen mit indischen Bildungseinrichtungen ziehen lassen, finden sich ebenfalls in der KPMG-Studie "Indian Higher Education - The defining years".
Indian Higher Education - The defining years
This report gives a detailed analysis of FEB - in terms of assurances, regulation, finances, repatriation for investment protection etc.
Datum: 20.12.2011 | Größe: 1477,21kB
Robert Kees
T +49 89 9282-1118
rkees@kpmg.com
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