Finanzierungsfragen: Erweiterter Spielraum für Forscher und Entwickler
Die Finanzierung von F&E ist für viele Unternehmen eine Herausforderung. Sie zu meistern, etwa mithilfe von Fördermitteln, kann langfristig Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum sichern.
Gerade für die Unternehmen am Standort Deutschland sind kontinuierliche Investitionen in Innovationen von existenzieller Bedeutung. Der internationale Wettbewerb verschärft sich. Die Wirtschaft muss auf Pioniergewinne setzen. Durch erfolgreiche Innovationen lassen sich Marktanteile verteidigen und ausbauen oder auch neue Märkte erschließen.
Ob sich F&E-Ausgaben lohnen, zeigt sich oft erst langfristig
„Die Finanzierung von F&E-Projekten stellt für die Unternehmen eine besondere Herausforderung dar", sagt Roland Gottwald, Leiter Finanzierungsberatung von KPMG in Deutschland. „Das liegt vor allem daran, dass sich oft erst mittel- bis langfristig zeigt, ob sich die Investitionen in ein innovatives Vorhaben auch amortisieren werden."
Ausgaben für F&E fallen in der Regel mit langem zeitlichen Vorlauf an. Bis ein neues Produkt oder Verfahren Deckungsbeiträge beziehungsweise Cashflows liefert, belasten die F&E-Aktivitäten die Liquidität und Ertragsstärke des Unternehmens nachhaltig. Zugleich verhindert das bislang geltende Verbot der Aktivierung selbstgeschaffener immaterieller Vermögensgegenstände - etwa
bei Patenten - einen bilanziellen Ausgleich. Die geplante Bilanzrechtsreform (BilMoG) sieht zwar ein Aktivierungsgebot für Entwicklungskosten vor. Ob dies signifikante Verbesserungen für die Unternehmen bringt, wird aber erst die Praxis zeigen.
Möglichkeiten der Außenfinanzierung prüfen
Welches ist also für ein Unternehmen das richtige Maß an Innovationstätigkeit? Die Unternehmen stehen hier vor einer schweren strategischen Entscheidung: Entweder sparen sie sich die Entwicklungskosten für Projekte mit ungewissen zukünftigen Ertragspotenzialen. Dabei laufen sie jedoch Gefahr, gegenüber den Wettbewerbern den Anschluss zu verlieren. Oder aber sie investieren in kostenintensive F&E-Projekte, die womöglich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit belasten. Zudem besteht stets das Risiko, selbst mit einem grundsätzlich konkurrenzfähigen neuen Produkt am Markt durchzufallen, weil sich ein anderer technischer Standard durchsetzt.
„Um die Eigenfinanzierungskraft des Unternehmens nicht überzustrapazieren, ist es gerade bei umfangreicheren Entwicklungsvorhaben sinnvoll, Möglichkeiten der Außenfinanzierung zu prüfen", rät KPMG-Finanzierungsspezialist Andreas Beitzen.
Die Suche nach geeigneten Finanzierungsinstrumenten gestaltet sich jedoch aus verschiedenen Gründen schwierig: Oft geht es um komplexe Produkte und Technologien mit ungewissen zukünftigen Absatz- beziehungsweise Ertragspotenzialen. Zudem nimmt hinsichtlich der Abschätzung künftiger Ergebnisbeiträge die Prognosequalität mit steigendem Planungshorizont ab. Darüber hinaus sind die entstehenden Anlagewerte in der Regel immateriell. Potenzielle Kapitalgeber haben es bei F&E-Projekten also mit schwer zu bewertenden Informationen zu tun. Keine optimalen Voraussetzungen für eine klassische Fremdfinanzierung.
Förderprogramme sollen Anreize für Innovationen schaffen
In der frühen Entwicklungsphase eines Unternehmens, etwa bei innovativen Start-ups, stehen häufig strategische Partner wie Venture Capital-Geber oder Joint Venture-Partner mit Beteiligungskapital zur Verfügung. Für etablierte mittelständische
Unternehmen sind vor allem die diversen Finanzierungsmöglichkeiten durch öffentliche Förderprogramme attraktiv. Speziell zur Förderung der F&E-Tätigkeit sollen Programme auf Länder-, Bundes- und EU-Ebene Anreize für wachstumsstarke Unternehmen schaffen.
Das Spektrum der Förderung reicht vom Gesundheitssektor über die Landwirtschaft, Biotechnologie und Energie bis hin zur Nanotechnologie. Gezielt gefördert werden auch grenzüberschreitende Kooperationen von Unternehmen und Institutionen.
Unverzichtbar ist beim Projektmanagement von Anfang an die enge Zusammenarbeit von Mitarbeitern, die mit der technischen Umsetzung betraut sind, mit der Finanzabteilung sowie der operativen Unternehmensführung. Diese Verzahnung gewährleistet durch einen optimalen Informationsfluss eine möglichst reibungslose Projektdurchführung.
Nicht von bürokratischen Hürden abschrecken lassen
Die Vielzahl von Einzelprogrammen und Initiativen stellt eine Herausforderung dar. Nur auf Basis einer individuellen Finanzierungsstrategie, die die aktuelle Situation des Unternehmens inklusive der anstehenden F&E-Projekte berücksichtigt, lassen sich die geeigneten Fördermittel identifizieren.
Grundsätzlich besteht auf Fördermittel zwar kein Rechtsanspruch. Innovative Unternehmen sollten sich aber nicht von bürokratischen Hürden abschrecken lassen. „Die Erfahrung zeigt: Unternehmen, die einmal eine Förderung erhalten haben, nutzen diese Möglichkeit der Unterstützung immer wieder", sagt Beitzen. „Im Wettbewerb mit anderen wachstumsstarken Unternehmen kann das ein großer Vorteil sein." Dabei sollten die Finanzierungsoptionen von F&E-Projekten nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer auch in die gesamte Finanzierungssituation des Unternehmens eingebunden sein.
Quelle: Vorreiter - Magazin für Unternehmer, Ausgabe 2 (Sommer 2008)
Die Tochtergesellschaft eines großen deutschen Automobilzulieferers beauftragte KPMG, sie bei der Optimierung der Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu unterstützen.
Der Innovation Hub ist die zentrale Schaltstelle im Innovationsprozess bei KPMG: Die Plattform fördert und evaluiert Ideen konsequent bis zur Markteinführung.