Das deutsche Gesundheitswesen im Europa-Vergleich (Teil 2)

Für den Kostenvergleich eignet sich eine Darstellung der Gesundheitsausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Hier zeigt der europäische Vergleich, dass Deutschland - nach der Schweiz und Frankreich - die dritthöchsten Gesundheitsausgaben bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt besitzt.

Kosten: Anteilige Gesundheitsausgaben kaum gestiegen
Der Schluss liegt nahe, Deutschland besitze ein sehr teures Gesundheitssystem. Der Vergleich der Qualität mit den Kosten zeigt dabei einen deutlichen Zusammenhang zwischen beiden Bereichen: Vier der fünf qualitativ besten europäischen Gesundheitssysteme sind unter den fünf Ländern mit den höchsten Gesundheitsausgaben im Vergleich zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt zu finden. Deshalb sind Aussagen pauschal nicht haltbar, dass in den vergangenen Jahren eine Ausgabenexplosion im deutschen Gesundheitswesen stattgefunden habe. Denn der Anteil der Gesundheitsausgaben im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt ist kaum gestiegen.

Maßstab europäischer Gesundheitssysteme: die Ausgabeneffizienz
Eine Verknüpfung von Qualität und Ausgaben bildet die Ausgabeneffizienz. Sie stellt das Verhältnis von Qualitätsaussagen auf der einen Seite sowie von Gesundheitsausgaben (den Ausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt) auf der anderen Seite dar. In der europäischen Rangliste zur Ausgabeneffizienz ist Deutschland im Mittelfeld auf Platz zwölf zu finden. Insbesondere die Niederlande und Österreich, welche laut EHCI ein qualitativ hochwertigeres und kostengünstigeres Gesundheitssystem als Deutschland haben, stehen mit Platz zwei und Platz sieben auf dieser Rangliste deutlich vor Deutschland. Das bedeutet: Die gute Qualität des deutschen Gesundheitssystems ist mit vergleichsweise hohen Ausgaben verbunden.

Grafik: "Ausgabeneffizienz im Gesundheitswesen" (JPG, 113 KB)

Der europäische Vergleich der Gesundheitsausgaben zum Bruttoinlandsprodukt nach einzelnen Ausgabenbereichen zeigt, dass in Deutschland ausgabenseitig Effizienzreserven vor allem in der Gesundheitsverwaltung, bei medizinische Waren sowie bei ambulanten Leistungen vorhanden sind.

 

Fazit

Das deutsche Gesundheitssystem lässt sich pauschal nicht als teuer, uneffektiv oder gar schlecht bezeichnen. Ebenso wenig hat bei den Gesundheitsausgaben in Deutschland in den vergangenen Jahren eine Ausgabenexplosion stattgefunden. Vielmehr besitzt Deutschland ein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem, welches allerdings ausgabenseitig Verbesserungspotenzial in den Bereichen Gesundheitsverwaltung, medizinische Waren sowie bei ambulante Leistungen besitzt.

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KPMG-Fachbeiträge zum Thema

Schlusslicht oder Champion? - Das deutsche Gesundheitswesen im europäischen Vergleich

Quelle: Management & Krankenhaus - Zeitung für Führungskräfte im Gesundheitswesen, Ausgabe Februar 2008

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