Chancen im Hinterland
Chinas Wirtschaft boomt. Für Investoren und Unternehmen aus dem Ausland werden jedoch auch die chinesischen Millionenstädte im Hinterland jenseits der Metropolen Peking oder Schanghai immer interessanter. Steueranreize und steigende Lebensqualität sorgen hier für einen Boom bei Direktinvestitionen.
Während das Wachstum im Westen nach der Wirtschaftskrise nicht so schnell vorankommt, hat die Entwicklung in China bereits kräftig an Dynamik gewonnen. Ungebremst ist auch der Ansturm internationaler Investoren - nicht nur in die bereits stärker entwickelten Küstenregionen im Osten, sondern zunehmend auch in die westlicheren Provinzen im Binnenland.
"Die Second Tier-Cities sind äußerst attraktiv"
China-Spezialist Thorsten Amann, Leiter International Markets Practice bei KPMG, geht davon aus, dass sich diese Bewegung in den kommenden Jahren nur verstärken wird: "Am grundsätzlich positiven Trend ändert sich nicht"", sagt Amann: "China ist nach wie vor äußerst attraktiv für ausländische Investoren mit langfristigen Interessen. Vor allem Second Tier-Städte, wie Changsha, Hangzhou oder Zhengzhou bieten dafür günstige Bedingungen."
Weniger Steuern, mehr Lebensqualität
Die Second Tier-Städte - das sind rund zwei Dutzend chinesische Millionenmetropolen der "zweiten Reihe", also hinter Peking, Schanghai oder Guangzhou (Kanton), den etablierten Handels- und Finanzzentren auf dem chinesischen Festland.
Was zeichnet die Second Tier-Cities aus? Vor allem ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, steigende Einkommen und hohe Direktinvestitionen.
Dazu tragen Steuererleichterungen und die Einrichtung spezieller Entwicklungszonen bei. Wie die 79 Quadratkilometer große Hefei Economic & Technological Development Area (HETDA) in der zentralchinesischen Provinz Anhui: Das Areal umfasst verschiedene spezialisierte Industrieparks, Business-Center, eine Universitätsstadt sowie Wohnsiedlungen für die wachsende internationale Gemeinde in Hefei.
Viel Geld fließt von staatlicher Seite auch in den Ausbau von Flughäfen, Autobahnen und Schienennetzen, um die Anbindung der Second Tier-Cities zu verbessern.
So dient die Millionenstadt Changsha in der Provinz Hunan als Drehkreuz des südlichen Chinas: Nur zwei Flugstunden sind es von hier nach Schanghai, Hongkong und Guangzhou. Nur jeweils eine Autostunde entfernt liegen sieben weitere wachstumsstarke Städte. Über 40 Millionen Menschen leben im Großraum Changsha; dessen Bruttoinlandsprodukt beträgt knapp 100 Milliarden US-Dollar.
Ein Kennzeichen der Second Tier-Cities ist auch, dass sich die Lebensqualität spürbar verbessert - die Städte werden attraktiver, sowohl für Einheimische als auch für Expats und ihre Familien. Aber nicht alle Second Tier-Cities können in diesem Punkt schon mit Metropolen wie Peking oder Schanghai mithalten: Bisweilen fehlt es noch an internationalen Schulen und Krankenhäusern sowie Einkaufs-, Freizeit- und Gastronomieangeboten. Auch Englisch wird nicht überall gleich gut gesprochen.
Rasanter Wandel
Die Second Tier-Städte verändern sich schnell. In der Region Hefei zum Beispiel sind in den vergangenen Jahren über 40 gehobene Wohngebiete mit Parkanlagen und künstlichen Seen entstanden. Seit Anfang 2008 bedient ein Schnellzug beispielsweise die Strecke Hefei-Schanghai - die Reisezeit reduzierte sich von sieben auf 2,5 Stunden. Seitdem sind eine Reihe weiterer Schnellbahnstrecken ans Netz gegangen, die mit Fahrzeitverkürzungen die neuen Metropolen im Binnenland näher an die Küstenprovinzen und damit auch näher an das Wachstum heranführen.
Der Boom in den Städten der "zweiten Reihe" könnte sich mittelfristig auch in den weniger entwickelten Third Tier-Cities fortsetzen. In China gibt es offiziell 666 Städte, über 40 davon haben mehr als eine Million Einwohner. Auch in den kleineren Großstädten wächst langsam die Kaufkraft, neue Märkte entstehen.
"Vor jedem Engagement und jeder Investition ist aber gesunde Vorsicht angeraten", sagt Thorsten Amann. „Die Chancen sind hervorragend - aber je weiter sich die Unternehmen ins Hinterland wagen, desto besser vorbereitet müssen sie auch sein."
Thorsten Amann
T +49 89 9282-1115
tamann@kpmg.com
Partner, Leiter High Growth Markets Practice
KPMGGanghoferstraße 29
80339 München
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