Boom der Second Tier-Städte
Steigende Kaufkraft und günstige Steuerbedingungen machen die Second Tier-Städte attraktiv für Investoren. Risikolos ist ein wirtschaftliches Engagement für ausländische Unternehmen freilich nicht.
Die deutsche Außenhandelskammer (AHK) China führt den Boom der Second Tier-Cities auf sogenannte Push- und Pullfaktoren zurück.
Push-Faktoren sind interne Faktoren, wie die Kostenschrauben bei Arbeit, Energie, Telekommunikation oder Immobilien. In Städten wie Schanghai und Peking sind beispielsweise die Mieten oft zehnmal teurer als in den Second-Tier-Cities.
Steigende Kaufkraft
In den First Tier-Städten ist inzwischen eine Marktsättigung eingetreten. Das bekommt vor allem der Einzelhandel zu spüren, aber auch die Dienstleistungsbranche. Dagegen bieten die weniger erschlossenen Millionenstädte des Hinterlands noch riesige Märkte. Die Kaufkraft der Konsumenten steigt.
Gerade in der Fertigungswirtschaft sind Zulieferer häufig gezwungen, ihren größeren Auftraggebern in die Second-Tier-Cities zu folgen. Große Konzerne sind dort schon länger aktiv. Nun ziehen auch die mittelständischen Unternehmen nach.
Als Pull-Faktoren gelten externe Faktoren wie politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen: So versucht die chinesische Regierung mit ihrer „Go West"-Kampagne seit Ende der 1990er Jahre, das Hinterland für Investoren attraktiver zu machen. Auch den Nordosten Chinas will Peking mithilfe wirtschaftspolitischer Programme revitalisieren.
Neue Märkte für Konsumgüter
In den kleineren Städten kommen die Menschen ebenfalls zu mehr Wohlstand, wenn auch nur langsam. Es wächst eine Mittelschicht heran, deren Durchschnittseinkommen sich dem Gesamtchinas annähert. Besonders interessant ist diese Entwicklung für die Konsumgüterindustrie.
Bei Infrastruktur und Transport gibt es ebenso zahlreiche Verbesserungen. Das Beispiel Changsha in der Provinz Hunan illustriert den Trend. Die Millionenstadt am Xiangjiang-Fluss verfügt nicht nur über einen der 23 nationalen Häfen in China, sondern ist auch per Straße, Schiene und Luftverkehr hervorragend angebunden.
Heterogene Märkte
Freilich gibt es bei einem Investment in den weniger entwickelten Städten des chinesischen Hinterlands auch Risiken. Zwar sinken im Hinterland die Betriebs- und Arbeitskosten. Aber die Infrastruktur ist weniger verlässlich und häufig ist es schwierig, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden.
An Produktionsstandorten einiger Küstenprovinzen ist dagegen mitunter bereits ein harter Wettbewerb um gut ausgebildete Arbeitnehmer entbrannt. Unternehmer müssen hier höhere Löhne zahlen, um Mitarbeiter in ihrer Firma zu halten. Mit den schnell steigenden Lohnkosten können an der Küste auch schnell einige Kostenvorteile des Standorts China dahinschmelzen.
Und nicht nur für die Produktion ist das chinesische Hinterland attraktiv - auch als Absatzmarkt gewinnen die Regionen mit ihren Millionen Einwohnern an Bedeutung. Beim Verkauf und dem Marketing müssen ausländische Unternehmen jedoch die sehr heterogene Zielgruppe berücksichtigen.
Im nordchinesischen Shenyang zum Beispiel funktioniere das Marketing nicht wie in der südchinesischen Tourismushochburg Kunming, stellt die Außenhandelskammer China fest. Gründe hierfür sind die unterschiedlich schnelle Wirtschaftsentwicklung, aber auch kulturelle Differenzen und gesellschaftliche Traditionen des Vielvölkerstaats China. Ziel muss es laut der AHK China deshalb für Unternehmen sein, mit individuell angepassten Konzepten das jeweils relevante Untersegment am Markt zu erschließen - und zwar als Erster.
Thorsten Amann
T +49 89 9282-1115
tamann@kpmg.com
Partner, Leiter High Growth Markets Practice
KPMGGanghoferstraße 29
80339 München
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