Energy & Natural Resources: Mehr Wettbewerb auf den Energiemärkten: Netze in öffentlichem Betrieb statt Ownership-Unbundling

Die Vorstöße der Europäischen Kommission, durch eigentumsrechtliche Entflechtung der Gas- und Elektrizitätsnetze mehr Wettbewerb auf den Energiemärkten zu schaffen, haben der Diskussion über die zukünftige Entwicklung der europäischen Energiewirtschaft eine neue Dimension verliehen. Genau das Stichwort "mehr Wettbewerb" sensibilisiert die öffentliche Resonanz zu dem im September 2007 vorgestellten dritten Energierichtlinienpaket, da sich vor allem die Verbraucher eine Senkung der Strom- und Gaspreise erhoffen.

Die Erwartungen der Gesellschaft auf signifikante positive Entwicklungen auf den Energiemärkten steigen noch zusätzlich aufgrund der harten Position der Europäischen Kommission, die trotz des Widerstands vieler Mitgliedstaaten auf dem Ownership-Unbundling-Konzept als "universalem Heilmittel" für die aktuellen Probleme in der Energiebranche beharrt.

Im Kontext der großen Hoffnungen und Wünsche für wettbewerbsfreundlichere Energiemärkte in Europa müssen zwei aus deutscher Sicht entscheidende Fragen geklärt werden:

  • Was bewirkt die Umsetzung des Ownership-Unbundling-Konzepts tatsächlich, führt es wirklich automatisch zu "mehr Wettbewerb" und vor allem zu niedrigen Energiepreisen?
  • Was sind die denkbaren Alternativen der eigentumsrechtlichen Entflechtung, die ohne einen drastischen Eingriff in das Privateigentumsrecht adäquat den aktuellen Problemen in der Energiewirtschaft entgegenwirken können?
Zerschlagung der Großkonzerne nur theroetisch wettbewerbsfreundlich
Die Klärung der ersten Frage erfordert eine differenzierte Untersuchung der Strukturen und konkreten Entwicklungen auf den jeweiligen nationalen Energiemärkten. So erscheint das Ownership-Unbundling als strukturelles Instrument der Wettbewerbspolitik kontraproduktiv für die Gestaltung des deutschen Energiemarktes, obwohl letzterer sich zweifellos durch verfestigte oligopolistische Strukturen auszeichnet.


Aus rein theoretischer Sicht würde die Zerschlagung der Großkonzerne sicherlich zu einem wettbewerbsfreundlicheren Markt führen. Abgesehen von den rein juristischen Problemen auf europäischer und nationaler Ebene, welche die Umsetzung des Ownership-Unbundlings aufwirft, stellt sich die Frage, inwieweit ein solcher Eingriff in das private Eigentumsrecht rein betriebswirtschaftlich sinnvoll ist.

Die vertikale Integration der vier Wertschöpfungsstufen in der Energiewirtschaft (Erzeugung, Übertragung, Verteilung und Vertrieb) oder zumindest der ersten drei Stufen bedingt eindeutig Skaleneffekte, die laut jeder ökonomischen Grundlagenvorlesung als eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Markterfolg eines Unternehmens gelten. Das Vorhandensein von "economics of scale" ermöglicht dem Unternehmen, sein Marktagieren zu optimieren und dadurch ein besseres Produkt in Hinblick auf Qualität und Preis anzubieten.

Ownership-Unbundling garantiert keine Senkung der Energiepreise
Im Kontext der ständig steigenden Unsicherheit auf den Weltenergiemärkten und die Verknappung der Energierohstoffe fragt man sich, warum die europäische Energiewirtschaft zusätzlich durch strukturelle Eingriffe geschwächt werden soll. Das Ownership-Unbundling garantiert keine Senkung der Energiepreise. Viele Befürworter des Ownership-Unbundling-Konzepts rechtfertigen diese Eingriffe mit den ständig steigenden Energiepreisen.

Dabei wird oft übersehen, dass diese das Ergebnis eines komplizierten Zusammenspiels unterschiedlicher wirtschaftlicher Faktoren sind. Auf viele dieser Faktoren wie etwa Steuern, CO2-Politik, Preise von Energierohstoffen haben die Energieunternehmen keinen Einfluss. Die Unternehmen müssen mit großer Effizienz an einem hochvolatilen Markt agieren, um eine sichere, qualitativ hochwertige und zugleich bezahlbare Energieversorgung anbieten zu können.

Lesen Sie in Teil 2 über die Auswirkungen der Fusionswelle auf dem Strommarkt

 

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Olaf Köppe

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