KPMG-Analyse zu internationalen Übernahmen: Expansionsdrang indischer Unternehmen ungebrochen

Der Expansionsdrang indischer Unternehmen ist ungebrochen. Indien dürfte im Jahr 2009 als erstes Schwellenland überhaupt seine Übernahmebilanz mit den Industriestaaten ausgleichen. In anderen Wachstumsmärkten dagegen stagnieren die grenzüberschreitenden M&A-Aktivitäten.

Das ergeben die im August 2008 veröffentlichten Daten des Emerging Markets International Acquisition Tracker (EMIAT) von KPMG. Der halbjährlich erscheinende EMIAT analysiert Transaktionen zwischen den wachstumsstärksten Emerging Markets und den wichtigsten Industrienationen.

Leistungsfähige Unternehmen
Seit 2003 haben strategische Investoren aus Indien insgesamt 322 Unternehmen in den Industriestaaten übernommen (Outbound Deals). Zugleich verbuchte der EMIAT 340 Übernahmen von indischen Firmen durch Investoren aus den Industriestaaten (Inbound Deals). In den vergangenen drei Halbjahren überwogen jeweils die Outbound Deals. KPMG-Spezialisten gehen deshalb davon aus, dass sich die M&A-Bilanz für Indien und die Industriestaaten bis 2009 ausgleicht.

„Diese Ergebnisse unterstreichen die wachsende globale Bedeutung indischer Unternehmen", sagt Thorsten Amann, Leiter New and Emerging Markets Practice bei KPMG. Während die ganze Welt über die Kreditkrise und die Rolle staatlicher Investitionsfonds spricht, expandieren Indiens Investoren unbeirrt weiter. Dabei geht es nicht nur um schlagzeilenträchtige Übernahmen durch Riesen wie Tata. Es geht um die generelle Leistungsfähigkeit der indischen Unternehmen, im weltweiten Übernahmepoker mitzuspielen."

Stärker als Russland und China
Johannes M. Böhmer, Länderspezialist Indien bei KPMG: „Wenn es Indien gelingt, seine M&A-Bilanz auszugleichen, wäre das ein herausragender Schritt in der Erfolgsgeschichte des Landes und der Emerging Markets insgesamt. Im Vergleich mit den anderen BRIC-Staaten verblüfft diese Leistung umso mehr: Das Volumen bei den indischen Outbound Deals im EMIAT beträgt inzwischen 95 Prozent des Inbound-Volumens. Für Russland liegt diese Quote bei nur 30 Prozent, China und Brasilien liegen mit zwölf beziehungsweise neun Prozent noch weiter hinten.”

Indien ist dennoch von den Schwierigkeiten der Weltwirtschaft nicht unabhängig. Auch der indische Markt leidet unter Inflation und hohen Zinsen sowie steigenden Lebensmittel- und Rohstoffpreisen. Böhmer: „Das wird sich auch auf die Unternehmensgewinne auswirken, was wiederum das Investitionstempo drosseln könnte."
    
Der neue EMIAT für die erste Jahreshälfte 2008 belegt 90 Übernahmen von Unternehmen in den Industriestaaten durch Investoren aus Schwellenländern. Allein 50 Transaktionen entfallen auf indische Investoren. Umgekehrt wurden 161 Übernahmen von Unternehmen aus den Industriestaaten in den Emerging Markets verbucht.

Während Indien seine M&A-Aktivitäten stetig verstärkt, stagnieren sie in anderen Emerging Markets. Insbesondere Brasilien schneidet im EMIAT unerwartet schlecht ab. Nur an 28 Übernahmen von Unternehmen in den Industriestaaten waren brasilianische Investoren in den vergangenen fünfeinhalb Jahren beteiligt.

Brasilien fällt weiter zurück
„Allein an den Zahlen gemessen, liegen die strategischen Investoren aus Brasilien weit hinter denen Indiens und sogar Russlands", sagt Amann. „Dies könnte daran liegen, dass die Unternehmen nicht ausreichend Zugang zu Cash und Krediten haben. Womöglich gibt es auch noch genügend Übernahme- und Wachstumsmöglichkeiten im Inland - was Fischzüge im Ausland nicht notwendig erscheinen lässt. Jedenfalls fällt Brasilien bei grenzüberschreitenden Fusionen und Übernahmen unter den BRIC-Staaten weiter zurück.”

Der halbjährlich erscheinende EMIAT berücksichtigt abgeschlossene M&A-Deals, die mindestens zu einer Mehrheitsbeteiligung am Kaufobjekt führten. Da der Fokus der Untersuchung die privaten Firmenaktivitäten widerspiegeln soll, wurden von Private Equity- oder institutionellen Investoren geführte Übernahmen nicht berücksichtigt. Die Daten beruhen auf Material von Zephyr / Bureau von Dijk Electronic Publishing.
       
Die Untersuchung berücksichtigt die Übernahmeaktivitäten zwischen elf ausgewählten Industriestaaten - Großbritannien, USA, Kanada, Spanien, Frankreich, Deutschland, Holland, Italien, Südafrika, Australien und Japan - sowie zehn ausgewählten Emerging Markets: Indien, China, Russland, Brasilien, Südkorea, Vietnam, Macau, Hongkong, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Quelle: KPMG's EMIAT 2/2008

 

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