Health Care: "Risikomanagement ist Kommunikation"

Mario Krabbe, Kaufmännischer Geschäftsführer der Park-Klinik Weißensee und der Schlosspark-Klinik Berlin, zur Rolle von Risikomanagementsystemen in Krankenhäusern


Aktuellen Schätzungen zufolge verfügen nur rund ein Drittel der deutschen Krankenhäuser über ein Risikomanagementsystem oder planen ein solches einzuführen. Was waren die ausschlaggebenden Gründe, die Sie zu einer Einführung eines Risikomanagementsystems motiviert haben? 

Unsere Ziele sind es, Fehlerquellen zu identifizieren, Risiken zu kontrollieren und somit mögliche Schäden zu minimieren beziehungsweise zu vermeiden. Eine Standortbestimmung auf diesem Weg ist mit einem flexiblen und klar strukturierten Instrument wie der Risikoanalyse als Teil des Risikomanagementsystems einfach. Das Risikomanagementsystem ist eine echte Unterstützung im Rahmen unseres zielorientierten Arbeitens. Gewiss verfügen noch nicht alle Krankenhäuser über ein solches System. Wir sind jedoch der Ansicht, dass es notwendig ist, mit Risiken systematisch umzugehen, denn nur so können wir letztendlich die optimale Behandlungsqualität sicherstellen und damit für unsere Patienten den bestmöglichen Gesundheitsgewinn erzielen.
 
Worin bestanden die Schwierigkeiten, ein funktionierendes Risikomanagementsystem aufzubauen und welche organisatorischen Maßnahmen haben Sie dementsprechend getroffen?
Natürlich gab es zuerst eine Reihe praktischer Fragestellungen, die einer ständigen Abstimmung zwischen den zahlreichen einzubeziehenden Personen bedurfte. Werden dann Risiken, Messgrößen und Handlungsalternativen gemeinsam gefunden, ist eine Basis zum Aufbau des Risikomanagementsystems hergestellt. Wichtig war für uns, ein lebendes und lernendes System zu etablieren, welches an die Bedürfnisse der Kliniken angepasst werden kann. Um das Risikomanagementsystem am Laufen zu halten, haben wir in einigen Bereichen unsere Organisationsstruktur angepasst. Es wurden beispielsweise Patienten-Riskmanager oder Finanz-Riskmanager eingebunden. Wir als Geschäftsführung wollen signalisieren, dass uns das Thema Risikomanagement am Herzen liegt. Dies haben wir auch mit einer neuen, direkt der Geschäftsführung unterstellten Stabsstelle "Risikomanagement" unterstrichen. 
 
Mit der Einführung eines systematischen Risikomanagementsystems ist oft ein Umdenken in der jeweiligen Klinik notwendig. Nicht Folgen, sondern Ursachen sollen untersucht werden. Welchen Einfluss hat die Einführung des Risikomanagementsystems auf die Fehlerkultur?
Wir haben gute Erfahrungen mit CIRS (Critical Incidents Report System), aber bitte erwarten Sie keine empirischen Untersuchungen, schließlich soll der Aufwand, ein Risikomanagementsystem zu betreiben, angemessen bleiben. Die Einführung des Risikomanagementsystems hat zunächst dazu geführt, dass offener mit Fehlern umgegangen werden kann. Alle Mitarbeiter der Kliniken wurden sensibilisiert. Eines der wichtigsten Ziele unseres Risikomanagements besteht schließlich darin, ein Arbeitsklima zu schaffen, in dem man Fehler zugeben kann und das von einer Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens geprägt ist.
 
Im Rahmen der Durchführung einer Risikoinventur wurden Schlüsselrisiken für alle Bereiche und Prozesse beider Kliniken identifiziert. Entsprachen die Ergebnisse ihren vorherigen Erwartungen oder wurden auch Risiken bestimmt, denen vor Einführung des Risikomanagementsystems keine wesentliche Bedeutung zugesprochen wurde? 
Die Antwort kann nicht allgemein gehalten werden, da ich die Bedeutung der Risiken für den einzelnen Verantwortlichen nicht kenne. Fakt ist aber, dass durch die Risikoinventur und -analyse Prozesse transparenter erscheinen. Die Schaffung von Transparenz hat teilweise wiederum den Kenntnisstand zu einzelnen Risiken und damit auch deren Stellenwert erhöht. Dieser neu geschaffene Stellenwert kommt letztendlich auch dem Verständnis der verantwortlichen Stellen zugute.
 
Inwiefern konnten die beiden Kliniken bereits von der Einführung des Risikomanagementsystems profitieren? 
Grundsätzlich ist Risikomanagement ja die Aufgabe der Geschäftsführung. Die Geschäftsführung muss sich deutlich und sichtbar verpflichten, ein klinikweites Risikomanagement einzuführen und umzusetzen. Wesentliche Grundlage hiefür ist die Kommunikation der risikopolitischen Grundsätze. Kurz: Risikomanagement ist Kommunikation. Jeder Klinikmitarbeiter muss sich für ein risikobewusstes Handeln verantwortlich fühlen. Wir fördern eine offene abteilungsübergreifende Kommunikation und sind der Überzeugung, dass wir uns hierbei mit Hilfe des Risikomanagementsystems verbessern konnten.  Schließlich muss man sich vor Augen führen, dass ein Schaden fast nie das Resultat eines einzigen Fehlers ist, meist liegt eine ganze Fehlerkette zugrunde. Eine offene Kommunikation kann diese Fehlerketten unterbrechen. Weiterhin lässt sich bereits feststellen, dass die Transparenz der Klinikprozesse erhöht werden konnte. Einige Organisationsrisiken konnten schon allein durch die Durchführung der Risikoinventur abgestellt werden.

 

Zur Person

Mario Krabbe ist seit 2003 Geschäftsführer der Park-Klinik Weißensee und der Schlosspark-Klinik Berlin. Der Diplom-Kaufmann und ausgebildete Controller ist Vorstandsmitglied der Berliner Krankenhausgesellschaft, Mitglied im Krankenhausbeirat und im Mitgliederrat des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken e.V. (BDPK) sowie Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes der privaten Krankenanstalten Berlin/Brandenburg. Krabbe lehrt die Fächer Gesundheitsmanagement und Controlling an der Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Potsdam e.V. (VWA).

Fallbeispiel: Risikomanagement im Krankenhaus

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