„Eine plausible Unternehmensplanung wird zum Kern eines Impairment Tests werden"
Immer mehr erschweren die Auswirkungen der Finanzkrise den Controlling- und Rechungslegungsabteilungen, ihre Zukunftsplanung richtig in der Bilanz abzubilden. Besonders gilt dies für die Bewertung des sogenannten Goodwill sowie andere immaterielle Vermögenswerte, die die Zukunftserwartungen eines Unternehmens zum Ausdruck bringen. Aufgrund des ausgeprägten M&A-Prozesses der vergangenen Jahre belasten diese aktivierten Vermögenswerte die Bilanzen der Unternehmen insbesondere im heutigen Umfeld. Im Interview erläutert Dr. Marc Castedello, Spezialist für Bewertungsfragen bei KPMG, worauf es bei der Überprüfung des Goodwill künftig besonders ankommt.
Herr Dr. Castedello, der Goodwill spiegelt die Zukunftsaussichten eines Unternehmens wider. Müssen sich Firmen im Zuge der Finanzkrise auf eine Reihe beispielloser Wertminderungen beim Goodwill einstellen?
In der Tat werden wir aufgrund gedämpfter Zukunftserwartungen in einigen Fällen Goodwill-Impairments, also Wertberichtigungen, sehen. Allerdings müssen wir zwischen kurz- bis mittelfristigen und langfristigen Auswirkungen in der Planung unterscheiden. Zwar befinden wir uns in einer Rezession. Und in den nächsten ein bis zwei Jahren dürften die Ergebnisprognosen schlechter ausfallen. Allerdings erstreckt sich die Betrachtungsperiode für ein Goodwill-Impairment auf einen deutlich längeren Zeitraum. Dadurch können negative Effekte der kommenden Jahre durch bessere Ergebnisse späterer Perioden, in denen die Konjunktur wieder anzieht, ausgeglichen werden.
Lassen sich aus der heutigen Perspektive freundlichere Verläufe absehen?
Hier liegt das Problem: Die Entscheidung, ob ein Wertberichtigungsbedarf vorliegt oder nicht, hängt in besonderem Maße von der längerfristigen Unternehmensplanung ab. In Zeiten allgemeiner Unsicherheit kann es auf diese Frage keine eindeutige Antwort geben, sondern es müssen entsprechende Plausibilisierungen durchgeführt werden.
Beim Impairment Test können Unternehmen zwischen zwei Bewertungsmethoden wählen: Value in Use oder Fair Value. Welches Modell ist letztlich verlässlicher?
Firmen müssen jeweils die Variante wählen, die einen höheren Wert liefert. Allerdings wird aus heutiger Sicht der „Value in Use" häufig zum Maß der Dinge erhoben werden. Der Grund: Der „Fair Value" geht bei der Werterrechnung von einer Veräußerung an einen Dritten aus. Jedoch sind die Marktbewertungen börsennotierter Gesellschaften derzeit im freien Fall. Entsprechend niedrig sind gezahlte Kaufpreise, sofern Übernahmen aktuell überhaupt noch stattfinden. Deshalb wird in der Mehrzahl letztlich der „Value in Use" angewandt.
Wodurch zeichnet sich der „Value in Use"-Ansatz aus?
Durch die Fokussierung auf die interne Perspektive und damit der individuellen Ertragserwartungen der Unternehmen. Hier zeigt sich die Sinnhaftigkeit von Impairment Tests. Fallende Börsenkurse müssen nicht Ausdruck verschwundener immaterieller Vermögenswerte, sondern können auch das Ergebnis der allgemeinen Verunsicherung sein. Genau diese Schwäche vermeidet der Value in Use-Ansatz. Doch man muss auch sagen: Diese internen Werte der Unternehmen lassen sich schwerer objektivieren.
Impairment Tests gelten als Pflichtübung, wenn ein Wertberichtungsbedarf zu erwarten ist. Eignet sich Impairment auch zur Prävention?
Es hat schon Fälle gegeben, in denen durch einen Impairment-Test ein Wertverfall überhaupt erst aufgedeckt worden ist. Jedoch ist dies aktuell eher unwahrscheinlich, da die Unternehmen aufgrund der Finanzkrise besonders für das Thema sensibilisiert sind.
Die Idee eines Impairment Tests ist genau andersherum: Er gibt Auskunft über bereits eingetretene Veränderungen mit Auswirkung auf zukünftige Entwicklungen und bildet diese nach den Regeln der Rechnungslegung ab. Eine Krise entsteht also nicht aufgrund einer Wertberichtigung, sondern umgekehrt.
Dennoch scheuen Unternehmen auch dann noch vor Wertberichtigungen zurück, wenn über die Verschlechterung der Aussichten bereits umfangreich berichtet wurde. Die anschließende Wertberichtigung kann also gar keine neue Information mehr enthalten, sondern bildet dies nur bilanziell ab. Aufgrund dieser Beobachtung wird natürlich die Plausibilisierung der Unternehmensplanung zum Kernpunkt eines Impairment Tests.
Abgesehen von den unsicheren Erwartungen: Welche Ermessensspielräume bieten Impairment Tests in der Auslegung?
Der Impairment Test folgt der Berichtsstruktur beziehungsweise der Wertschöpfungskette des Unternehmens. Deshalb kann er sehr komplex werden. Der Goodwill wird ja nicht auf der Unternehmensebene getestet, sondern für einzelne Einheiten, den so genannten Cash Generating Units (CGU). Allein schon bei der Festlegung dieser CGU und der Zuordnung des Goodwill auf diese CGU entstehen oft Fragen, die sich nicht immer eindeutig auflösen lassen.
Darüber hinaus müssen auch andere Vermögenswerte getestet werden, wenn Hinweise für deren Wertminderung vorliegen. Dies kann zum Beispiel den Maschinenpark betreffen oder etwa im Rahmen von Zukäufen aktivierte Marken, Technologien und Kundenbeziehungen, die häufig mit signifikanten Werten in den Büchern stehen.
So entsteht ein feingliedriges Geflecht von Strukturen, auf denen Tests durchgeführt werden und die untereinander hierarchisch geordnet sind: Zuerst kommt die Wertberichtigung auf der untersten Ebene, das heißt meist für einzelne Vermögenswerte. Wenn aber Goodwill und Vermögenswert auf derselben Ebene getestet werden, dann trifft es vorrangig den Goodwill. Auf der richtigen Ebene anzusetzen kann damit für das Ergebnis eines Impairment Tests entscheidend sein.
Wie wirkt sich die Finanzkrise auf die Kapitalkosten von Unternehmen aus? Müssen sie nun alle eine Wertberichtigung vornehmen?
Laut internationalem Rechnungslegungsstandard IAS 36 muss jedes Jahr geprüft werden, ob eine Wertminderung des Goodwill vorliegt, die dann in der entsprechenden Periode erfolgswirksam zu erfassen ist. Unabhängig davon ist ein Impairment Test immer dann anzuwenden, wenn aufgrund bestehender Ereignisse, sogenannter "Triggering Events", eine Wertminderung vermutet werden kann. Zu diesen "Triggering Events" zählen auch steigende Kapitalkosten. Zwar bilden sie nur einen Faktor. Jedoch besitzt dieser aufgrund der Rechenlogik einen großen Hebel.
Einzelne Bestandteile der Kapitalkosten sind eher langfristiger Natur wie etwa die Marktrisikoprämie, welche bereits auch die historisch immer wieder beobachtbaren wirtschaftlichen Abschwünge mitberücksichtigt.
Im Schlepptau der Finanzkrise sind auch die Fremdkapitalkosten ein Thema, da sie nicht etwa auf die Konditionen für vergangene Finanzierungen, sondern auf die aktuellen abstellen. Das Gleiche gilt für die Annahme über das Mischungsverhältnis von Eigen- und Fremdkapital: Hier wird man zukünftig von einem niedrigeren Anteil von Fremdkapital an der Finanzierung ausgehen müssen. Da Fremdkapital günstiger als Eigenkapital ist, führt dies wiederum zu insgesamt steigenden Kapitalkosten. Deshalb zeichnet sich eine Tendenz ab: Mit steigenden Kapitalkosten wird der Druck auf die Unternehmen wachsen.
Ansprechpartner
Dr. Marc Castedello
Partner
KPMG
Ganghoferstraße 29
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T +49 89 9282-5161 | mcastedello@kpmg.com
Immer stärker erschweren die Auswirkungen der Finanzkrise den Unternehmen ihre Zukunftsaussichten richtig in der Bilanz abzubilden.
Die KPMG-Studie analysiert Goodwill und immaterielle Vermögenswerte in 14 Branchen.
