Abschreibungsrisiken in Unternehmensbilanzen
Planmäßige Abschreibungseffekte auf immaterielle Vermögenswerte und außerplanmäßige Abschreibungsrisiken auf den Goodwill rücken in Zeiten der Krise in den Fokus. Viele Konzerne weisen als bilanzielle Konsequenz teurer Zukäufe in den Jahren des Wirtschaftswachstums hohe immaterielle Vermögenswerte und Goodwill in ihren Bilanzen aus.
Werthaltigkeitsrisiken sind gestiegen
Die Studie Immaterielle Vermögenswerte und Goodwill in Unternehmenszusammenschlüssen (Bestellung als Druckexemplar), für die 342 Transaktionen vergangener Jahre in 14 verschiedenen Branchen untersucht wurden, deutet darauf hin, dass bei Firmenübernahmen vielfach ambitionierte Synergieerwartungen zugrunde gelegt oder hohe Aufschläge gezahlt wurden. Das Ergebnis zeigt, dass in den meisten Branchen ein prozentualer Goodwill von über 50 Prozent im Verhältnis zu den Kosten des Unternehmenszusammenschlusses zu beobachten ist.
Dies ist Teil der Auswirkungen der wirtschaftlichen Boomjahre, in denen Wachstumsprognosen und Synergieerwartungen hoch angesetzt wurden. Dieser Goodwill steht im wirtschaftlichen Abschwung auf dem Prüfstand und birgt ein erhöhtes Risiko für außerplanmäßige Abschreibungen im Rahmen des jährlichen Impairment-Tests.
Hohe Anforderungen an eine sachgerechte Bilanzierung
„Ein Grund für den in vielen Branchen hohen Anteil des Geschäftswertes (Goodwill) mag auch darin liegen, dass im Rahmen von Ermessensspielräumen eine Verteilung des Kaufpreises eher zugunsten des Goodwills erfolgt ist, um die planmäßigen Abschreibungen aus den vom Goodwill separat zu bilanzierenden immateriellen Vermögenswerten möglichst gering zu halten", erklärt Christian Klingbeil, KPMG-Partner und Autor der Studie. „Mit dem dadurch zusätzlich erhöhten Risiko möglicher außerplanmäßiger Abschreibungen im Rahmen des jährlichen Impairment-Tests haben viele Unternehmen jetzt zu kämpfen."
In diesem Zusammenhang zeigen sich die Relevanz und die hohen Anforderungen an einen sachgerechten Bilanzierungsprozess immateriellen Vermögens. Dabei stehen nicht nur rechnungslegungsspezifische Fragestellungen im Mittelpunkt, sondern auch eine die ökonomischen Verhältnisse widerspiegelnde Identifikation und Bewertung der immateriellen Werttreiber.
Immaterielle Vermögenswerte sind wesentliche Werttreiber
Die KPMG-Studie, ist für Bilanzierende auch aus einem anderen Blickwinkel eine wertvolle Orientierungshilfe. Sie taucht in die spezifischen Wertschöpfungs- und Produktionsprozesse jeder einzelnen Branche ein und zeigt nicht nur den relativen Anteil des Goodwills an den Kosten des Unternehmenszusammenschlusses auf, sondern darüber hinaus auch, welche immateriellen Werttreiber für die einzelnen Branchen und ihre Subbranchen prägend sind. Sie klassifiziert die immateriellen Vermögenswerte jeder Branche nach Technologien, Verträgen, Kunden und anderen Kriterien und stellt ihren relativen Anteil an den Kosten des Unternehmenszusammenschlusses dar.
Dies lässt Rückschlüsse auf zukünftige Ergebnisbelastungen durch planmäßige Abschreibungen zu, denn je nach ökonomischer Nutzungsdauer immaterieller Vermögenswerte kann sich diese Belastung über viele Perioden auswirken. Christian Klingbeil: „Durch die branchenbezogene Auswertung schaffen wir einen Vergleichsmaßstab, der bisher nicht zur Verfügung stand. Die Studie hilft, immaterielle Vermögenswerte gezielt zu identifizieren und daraus resultierende Abschreibungseffekte frühzeitig zu erkennen." Der Branchenanalyse zufolge haben vor allem Unternehmen, in denen ein bedeutender Anteil des Kaufpreises auf immaterielle Vermögenswerte entfällt, durch planmäßige Abschreibungen vergleichsweise hohe zukünftige Ergebnisbelastungen zu erwarten. Die Untersuchung ergab, dass insbesondere in der Konsumgüter-, der pharmazeutischen Industrie und der Medienindustrie eine hoher prozentualer Anteil zu verzeichnen ist.
Abschreibungseffekte frühzeitig erkennen
Um Kaufentscheidungen auch auf mögliche Ergebniseffekte durch außerplanmäßige Goodwill-Abschreibungen im Vorfeld abzuklopfen, empfiehlt sich eine indikative Vorabanalyse, eine sogenannte Pre-Deal-Kaufpreisallokation. „Wir können schon im Vorfeld der Transaktion unterstützen, etwa bei der Analyse der planmäßigen Abschreibungseffekte aus dem erworbenen Vermögen, insbesondere aber auch bei der Risikoeinschätzung bezüglich außerplanmäßiger Abschreibungen auf den aus der Transaktion resultierenden Geschäftswert. Damit lassen sich schon im Rahmen des Due Diligence-Prozesses Risiken identifizieren", so Christian Klingbeil. „Dies ist bislang jedoch noch keine gängige Praxis."
Immaterielle Vermögenswerte und Goodwill in Unternehmenszusammenschlüssen
Abschreibungsrisiken in Unternehmensbilanzen - KPMG Studie analysiert Goodwill und immaterielle Vermögenswerte in 14 Branchen. Planmäßige Abschreibungseffekte auf immaterielle Vermögenswerte und außerplanmäßige Abschreibungsrisiken auf den Goodwill rücken in Zeiten der Krise in den Fokus. Viele Konzerne weisen als bilanzielle Konsequenz teurer Zukäufe in den Jahren des Wirtschaftswachstums hohe immaterielle Vermögenswerte und Goodwill in ihren Bilanzen aus.
Datum: 01.10.2009
Ansprechpartner
Christian Klingbeil
Partner KPMGGanghoferstraße 29
80339 München
T +49 89 9282-1284 | cklingbeil@kpmg.com
Die KPMG-Studie analysiert Goodwill und immaterielle Vermögenswerte in 14 Branchen.
