KPMG-Analyse: Welchen Einfluss hat die Wirtschaftskrise auf die Krankenhäuser?
Die Gesundheitsbranche gilt als einer der stabilsten Bereiche unserer Wirtschaft. Gründe dafür sind zum einen der hohe Anteil staatlicher Aktivität und die Tatsache, dass ein großer Teil der Nachfrage nicht preis- oder einkommensabhängig ist. Doch dem Gesundheitsfonds droht durch die Wirtschaftskrise und dem damit verbundenen Konjunktureinbruch durch geringere Beitragseinnahmen ein Milliardendefizit.
Da die deutschen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen bisher in geringem Umfang und eher konservative Kapitalanlagen getätigt haben, sind die Bilanzen der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen bisher von der Wirtschaftskrise kaum betroffen. Steigt allerdings wie angekündigt die Zahl der Arbeitslosen, sinken die Einnahmen sowohl der gesetzlichen Krankenversicherung als auch der öffentlichen Haushalte. Angesichts der knappen Kassen der Bundesländer ist mittelfristig daher kein Abbau des vorhandenen Investitionsstaus zu erwarten.
Konjunkturpaket II
Kurzfristig profitieren die deutschen Krankenhäuser vom Konjunkturpaket II. Mindestens 1,3 Milliarden Euro erhalten die Kliniken von den Bundesländern. Zur Verstärkung dieses Effekts ziehen einzelne Bundesländer ihre geplanten Investitionen vor. Mit dem Ende der Reichweite der einmaligen Finanzspritzen wird erwartet, dass sich der Konzentrations- und Konsolidierungsprozess im Krankenhausmarkt mit höherer Intensität fortsetzt.
Alternative Finanzierungsmöglichkeiten
Während einige Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen noch über die Höhe des Investitionsstaus diskutieren, hat eine wachsende Zahl von Gesundheitsdienstleistern in den vergangenen Jahren alternative Finanzierungsmöglichkeiten, zum Beispiel die Aufnahme von Darlehen, entdeckt.
Aufgrund der Wirtschaftskrise sind die Banken bei der Kreditvergabe vorsichtiger geworden. Diese Zurückhaltung löst sich nur langsam auf. Die Anforderungen an die Vergabe von Krediten nehmen zu. Die Finanzierungskosten könnten aufgrund einer verstärkt risikoorientierten Verzinsung weiter ansteigen.
Zukünftig werden Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zudem ihre Prozesse umfassender und grundlegender überdenken müssen, um so Effizienzen heben zu können. Außerdem wird erwartet, dass durch die sich verschlechternde finanzielle Lage der öffentlichen Haushalte Privatisierungen auf dem Krankenhausmarkt weiter zunehmen
Gestärkt aus der Krise
Die Wirtschaftskrise führt voraussichtlich zu keinem radikalen Wandel im Gesundheitsmarkt, dafür ist der Markt zu wenig konjunkturabhängig. Sie zeigt aber auch, dass der regulierte Markt für Gesundheitsleistungen durch die Zurückhaltung des Staates in den vergangenen Jahren abhängiger von externer Finanzierung geworden ist.
Das Konjunkturpaket II wird die Konzentrations- und Konsolidierungsprozesse des Marktes verzögern, jedoch nicht verhindern. Wirtschaftlich arbeitende Gesundheitsunternehmen können gestärkt aus der Krise hervorgehen.
Entschlossen handeln: Erfolgreich aus der Krise
Die schwerste Phase der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise scheint überwunden - aber die Folgen des Einbruchs werden noch lange zu spüren sein. Mit "Entschlossen handeln" möchte KPMG Unternehmen eine Orientierungshilfe bieten, um sich auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten. Die Publikation skizziert makroökonomische Entwicklungen, analysiert Chancen und Risiken in den Branchen und geht auf wichtige strategische Themen ein.
Größe: 4315,25kB
Ansprechpartner
Prof. Dr. Volker Penter
Partner, Leiter Health Care
KPMG
Klingelhöferstraße 18
10785 Berlin
T +49 30 2068-4740 | vpenter@kpmg.com
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