Die fünfte Dimension

Einst hieß es: zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Seit den 1960er Jahren eröffnete sich mit dem Weltraum eine weitere Front für das Militär. Nun ist mit dem Cyberspace eine fünfte Dimension hinzugekommen - und damit auch ein neuer Wachstumsmarkt für die Verteidigungsbranche.

Weltweit neue Behörden als Reaktion auf Attacken
 
In den vergangenen Jahren waren Regierungen, Militärs und Unternehmen vermehrt Zielobjekte von Cyberattacken, die die Manipulation von Computersystemen und -netzwerken sowie Datenbanken durch den Einsatz von Schadsoftware oder Personen vor Ort zum Ziel hatten. Lange dienten diese Angriffe lediglich dazu, Netzwerke zu stören oder Information zu gewinnen. Dies änderte sich, als 2007 sogenannte Distributed-Denial-of-Service-Attacken estnische Regierungsbehörden, Banken, Energieversorgungssysteme und Medien über Wochen lahm legten.

Den Estland-Fall nahmen Regierungen, Militärs und internationale Organisationen zum Anlass, um sich verstärkt der Cyberverteidigung zu widmen. So haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Staaten neue "Cyberzentren" und Behörden geschaffen. Im Fokus stehen dabei die Überwachung von Kommunikationsnetzen, die Analyse von Cyberangriffen sowie die Beobachtung von Computernetzen und Abwehrprogrammen.

Dieser Markt hat sich inzwischen zu einem der am schnellsten wachsenden Bereiche in der Verteidigungsbranche entwickelt. Allerdings müssen die großen Rüstungskonzerne hier mit traditionellen Anbietern von IT-Sicherheit konkurrieren. Deshalb bedienen sie sich - neben dem Aufbau eigener Cyberforschungs- und -entwicklungszentren sowie Partnerschaften mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen - einer altbewährten Strategie: Sie akquirieren kleinere, auf IT spezialisierte Firmen, um das Geschäft mit Cyberverteidigung und Informationssicherheit auszubauen.

Zivile Anwendungen gefragt  
Bei Cyberverteidigung geht es nicht nur um Netzwerke von Regierungen und Militär. Vielmehr rückt der Schutz wichtiger Infrastrukturanlagen sowie von Industriebetrieben zunehmend in den Vordergrund. Verteidigungsunternehmen können hier einen Beitrag leisten. Boeing zum Beispiel ist Teil verschiedener Partnerschaften mit Energieversorgern, die daran forschen, wie das Stromnetz der USA besser geschützt werden kann. Auch Cassidian plant, die eigenen Sicherheitslösungen einem breiteren Kundenkreis anzubieten.

Um den globalen Möglichkeiten von Cyberangriffen effektiv zu begegnen, ist eine Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Industrie notwendig. Angriffe über vernetzte Infrastrukturen sind kein neues Phänomen, auch wenn sich die dahinterstehenden Absichten verändert haben. Die in Deutschland von KPMG durchgeführte e-Crime-Studie 2010 hat eines deutlich gezeigt: Um den Gefahren von Cyberangriffen zu begegnen, ist ein alleiniger Fokus auf eine externe Täterperspektive verbunden mit technischen Schutzmaßnahmen sowie Sicherheitstechnologien nur begrenzt zielführend.

Unternehmen müssen für eine angemessene und funktionsfähige Cyberverteidigung in der Gesamtrisikobetrachtung auch die Motive von möglichen Innentätern, die Art der Angriffe und die Schadenshöhen betrachten und ihre Unternehmensabläufe entsprechend anpassen.

 

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Publikationscover Manufacturing Now

Manufacturing Now, Ausgabe Herbst 2010: Energiesparer gesucht

Der Klimawandel ist so präsent wie nie zuvor: Stehen wir vor der Industriellen Revolution des 21. Jahrhunderts? Weitere Themen: Cyperspace - Wie sich das Militär gegen Hackerangriffe wappnet. Neue Erzfeindschaft - Wie sich der Preis für Eisenerz ändert. Auf verschlungenen Pfaden - Wie Unternehmen mit Szenarioplanungen einen Blick in die Zukunft werfen können.

Datum: 01.12.2010 | Größe: 3441,33kB

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