Wachstumsmarkt Korea: Königreich der mobilen Inhalte

Südkorea hat mobiles Fernsehen daheim zum Massenmarkt entwickelt und ist zum wichtigen Seismograph für die Telekommunikationsbranche geworden.

In Südkorea ist die Telekommunikation der Zukunft bereits heute Alltag. Bei einer Fahrt mit den Pendlerzügen der Metro von Seoul sieht jeder, dass die Handys für Südkoreaner längst zum allumfassenden Medienträger herangewachsen sind. Statt SMS und Klingeltönen liefern die Geräte hier auf dem Weg zur Arbeit ruckelfreies Live-Fernsehen, schnellen Internetzugang und die neuesten Musikvideos der Charts.

Der Unterschied zu Europa: In dem technikbegeisterten Land hat sich das neue Mobile-TV bereits seit einiger Zeit als Massenmedium durchgesetzt. Seit der Einführung 2005 fanden die Angebote bereits mehr als 7,5 Millionen registrierte Kunden. Bis zum Jahresende 2008 soll die Zwölf-Millionen-Marke fallen - dann könnte bereits jeder vierte Südkoreaner regelmäßig in die neue mobile Medienwelt eintauchen.

Durch seine globale Vorreiterrolle unterscheidet sich das Land grundsätzlich von anderen asiatischen Wachstumsmärkten, in denen das Handy derzeit noch als Telefon an Bedeutung gewinnt. Südkorea ist ein wichtiger Seismograph für die weltweite Entwicklung der Telekommunikationsbranche. Die internationalen Gerätehersteller nutzen den Wachstumsmarkt als wertvolles Experimentierfeld. Die europäischen Provider beäugen mit Interesse, welche Erfahrungen die lokalen Anbieter SK Telecom, KTF und LG TeleCom mit Mobile-TV sammeln.

Die Zwischenbilanz der einheimischen Firmen fällt trotz der Massentauglichkeit bislang zwiespältig aus. Nach eigenen Angaben verdient keiner der koreanischen Anbieter bislang Geld mit seiner Digital-Generation. Als Schuldigen sehen sie unter anderem die staatliche Regulierungsbehörde. Sie verpflichtete die Branchenteilnehmer anlässlich der Einführung des Mobile-TV, sechs kostenlose terrestrische Kanäle mit umfangreichen Inhalten auszustrahlen.

Diese staatliche Vorgabe macht es den Anbietern schwerer, für das eigene Angebot Gebühren zu verlangen, die Abonnentenzahl noch schneller zu steigern und die notwendigen Investitionen für den Ausbau der Netze zu refinanzieren. Dafür müssen sich die Konzerne nicht - wie in Europa - mit der Frage des zukünftigen digitalen Übertragungsstandards auseinandersetzen. Ob DVB-H, MediaFLO oder DMB - diese Debatte hatte die staatliche Regulierungsbehörde frühzeitig entschieden: Sie setzte 2005 auf die in Südkorea entwickelte Technologie Digital Multimedia Broadcasting (DMB).

Wegweisend für die Entwicklung der Telekommunikationsbranche ist in Südkorea das neue Kooperationsdenken von Netzbetreibern, Handy-Herstellern und Content-Anbietern. Der neue Nutzerkanal - das digitale TV-Signal inklusive seiner Inhalte - konkurriert mit Handy-Videos und MMS, die über das Netz des Mobilfunkunternehmens versandt werden. Einige Firmen fürchten um ihre Profite und suchen mittels strategischer Allianzen und Übernahmen nach einer Formel, um ihre Erträge langfristig zu sichern statt sich gegenseitig zu kannibalisieren.

Mobilfunk-Marktführer SK Telecom stärkte sich durch den Kauf wichtiger Content-Anbieter und trieb so die Integration multimedialer Inhalte auf der Plattform Mobile-TV entscheidend voran. Zu den Kaufobjekten gehörten unter anderem der koreanische iTunes-Herausforderer MelOn oder der Myspace-Wettbewerber Cyworld. Am Ende lagen auch die beiden führenden koreanischen Suchmaschinenportale und das führende DMB-Broadcast-Portal Tumedia im Einkaufskorb des Branchenprimus. Damit entwickelte sich SK Telecom selbst zu einem der wichtigsten Content Producer Südkoreas.

Viel entscheidender ist jedoch, dass sich die Kunden des Mobilfunkkonzerns nun wesentlich besser über alle Medien-Plattformen hinweg ausdrücken und verwirklichen können. Auf dem südkoreanischen Markt sind Design und Individualität derzeit die wichtigsten Faktoren für den Markterfolg der Telekommunikationsbranche. Die viel zitierte „Content is King"- Strategie ist nach wie vor gültig. Die Zahl der Königreiche, in denen sich die Nutzer verwirklichen wollen, ist jedoch größer geworden.

Quelle: New and Emerging Markets Magazin 04-2007

 

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