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Der erste Monat im Big Apple - April 2009

26. Februar 2009
Ich kann es immer noch nicht glauben: Gerade habe ich von KPMG die Zusage für einen Praktikumsplatz bei KPMG in der German Practice in New York City bekommen! In drei Wochen geht es los und mir wird ganz schwindelig, wenn ich daran denke, welche Vorbereitungen noch anstehen.

Aber auch das wird klappen. Ich atme tief durch und freue mich einfach. KPMG in Deutschland kenne ich schon durch verschiedene Praktika, die ich während meines Studiums gemacht habe. Die KPMG-Mitarbeiter, die ich dabei kennengelernt habe, bestärkten mich und machten mich auf die verschiedenen Möglichkeiten aufmerksam, die KPMG Praktikanten bietet. So kam es, dass ich mich auf ein Auslandspraktikum bei KPMG in der German Practice in New York beworben habe. Erfolgreich, wie Ihr seht.

30. April 2009
Obwohl ich schon seit einem Monat hier bin, kann ich es immer noch nicht fassen: als ich von KPMG die Zusage zu dem Auslandspraktikum erhalten habe, flog die Zeit nur so davon. Das USA-Visum musste beantragt werden und ich sollte an der Uni beurlaubt werden. Zeit, mich mental auf den Big Apple einzustimmen, blieb mir nicht.

Plötzlich stand ich am Flughafen, meine Freundin drückte mir noch einen NYC-Reiseführer in die Hand und schon saß ich im Flieger. Keine neun Stunden später landete ich am JFK Flughafen und ich ließ mich mit dem Menschenstrom nach draußen treiben. Dort nahm ich mir ein Taxi, das mich zu meiner Unterkunft nach Manhattan fuhr. Während der Fahrt stürzten die Eindrücke nur so auf mich ein: Wir fuhren vorbei an kleinen Familienhäuschen, gigantischen Friedhofsanlagen, beeindruckenden Luxuseinkaufsstraßen, zwischen Wolkenkratzer und schillernder Leuchtreklame. Auf den Straßen entdeckte ich Strechlimousinen und Obdachlose, die Mülltonnen vor sich her schoben.

Ein Extrem wechselte das Andere ab und ich schwankte zwischen erfurchtsvollem Staunen und tiefem Mitgefühl. Mein erster Monat verging rasend schnell und ich habe sehr viel erlebt, gesehen und unzählige Eindrücke gesammelt. Vieles ist hier sehr kontrastreich, so dass ich mich dazu entschieden habe, Euch meine persönlichen Tops und Flops vorzustellen.

Tops im April
An meinem ersten Arbeitstag stockte mir erst einmal vor Begeisterung der Atem. Der Praktikantenraum von KPMG liegt im 40. Stock eines Hochhauses an der Park Avenue. Könnt Ihr Euch diese Aussicht vorstellen? Der Himmel war strahlend blau, die Sonne schien und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. An solch einem klaren Tag ist die Aussicht über New York einfach toll. Unglaublich. Aber tatsächlich wahr.

Ein anderes Highlight war ein lebender, fressender, sich unter Tauben fast schon ganz wie selbstverständlich aufhaltender Truthahn, den ich im Battery Park im Süden New Yorks entdeckt habe. Ein anderer Besucher schien seinen Augen ebenso wenig zu trauen wie ich. Erstaunt lachend meinte er zu mir: "It's really a turkey. It's a big one. It must have survived Thanksgiving!" Weird!

Eine Überraschung kulinarischer Art erlebte ich in einem Wiener Café in der Neuen Galerie New York. Dort gab es tatsächlich Sachertorte. Ich konnte nicht widerstehen und beschloss, mir eines der Riesenstücke zu genehmigen. Sie schmeckte himmlisch! Ich saß in dieser wunderschönen Galerie, sah vor meinem geistigen Auge immer noch die Ausstellung über deutsche Brücke-Künstler Anfang des 20. Jahrhunderts und genoss die Wiener Köstlichkeit in vollen Zügen. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ich für mein erstes Stück Sachertorte und tiefgreifende Einblicke in den deutschen Expressionismus einmal den Ozean überqueren muss!

Was mich besonders entzückt, ist mein amerikanisches Bankkonto und die damit verbundene obligatorische Kreditkarte (natürlich mit I-Love-NY-Motiv - what else?!) - dem "Utensilium Americanum" schlechthin. Man benutzt sie einfach überall. Sogar für den Kauf einer einzelnen Briefmarke. Irgendwie verrückt diese Amerikaner! 

Flops im April
Zum New Yorker U-Bahn-System lässt sich meiner Meinung nach nur eins sagen: dreckig, marode und alt. Absolut überholungsbedürftig! Außerdem gibt es keine Anzeigetafeln, keine Durchsagen und auch keinen Fahrplan. Anfangs war ich über die sich an Fast Food aufhaltenden Rattenfamilien noch entsetzt, doch bekanntlich ist der Mensch ein Gewohnheitstier: Nach vier Wochen regelmäßigem U-Bahn fahren haut mich selbst dieser Anblick nicht mehr um.

Ein anderer Flop war die Easter Parade. Ostern in New York City zu feiern, ist offen gestanden eine schlechte Idee. Manhattan mit seinen Museen, Sehenswürdigkeiten und Einkaufsstraßen droht aus allen Nähten zu platzen. Überall sind Menschenmassen, selbst bei sintflutartigem Regen. Die New York City Easter Parade, bei der sich die New Yorker am Ostersonntag auf der Fifth Avenue treffen, ulkigen Kopfschmuck und zum Teil sogar Kostüme zur Schau tragen, ist angeblich eine lange Tradition und sogar die Straßen werden dafür gesperrt.

Eigentlich macht es Spaß, dem bunten Treiben zuzusehen und die vielen Kinder zu beobachten. Doch die Menschenmassen lassen das Ostererlebnis anstrengend werden. Allerdings entschädigte mich der Kauf eines an Zuhause erinnernden Lindt-Osterhasens auf der Fifth Avenue für dieses etwas nervige Massenspektakel.