Russland stellt sich neu auf

Die Modernisierung der heimischen Industrie steht zurzeit im Fokus der russischen Regierung. Moskau setzt dabei unter anderem auf die Unterstützung von Investoren aus dem Ausland.

Modernisierung und Kampf gegen Korruption
Die Modernisierung der russischen Industrie steht nach der Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise im Fokus der russischen Politik. Für 2010 bis 2012 sind Investitionen von insgesamt 20 Milliarden Euro vorgesehen, die in 38 Schlüsselprojekte fließen sollen. Vor allem IT und Telekommunikation, Energie- und Atomtechnik sowie Raumfahrt- und Medizintechnik sollen international wettbewerbsfähig werden.

Dabei setzt die Regierung zwar weiterhin auf strategische Unternehmen unter staatlicher Kontrolle, will aber wieder verstärkt westliches Know-how ins Land holen. Während Ende 2009 ausländische Unternehmen mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 250 Milliarden US-Dollar in Russland präsent waren, wurde im Zuge der Finanzkrise 2009 der Kapitalzufluss gegenüber dem Vorjahr nahezu halbiert. Auch 2010 waren die Investitionen mit einem Minus von 11 Prozent im ersten Halbjahr noch rückläufig.  Die mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten und administrative Investitionshürden bremsen ebenfalls das Engagement aus dem Ausland.

Als eines der Investitionshindernisse gilt die immer noch verbreitete Korruption, die nicht nur finanzielle Einbußen verursacht, sondern auch die langfristigen Entwicklungsperspektiven des Russlandgeschäfts trübt. Siemens Russland hat nach Angaben des Russland-Chefs Dietrich Möller die Erfahrung gemacht, dass die Vorbeugung von Korruption weniger kostet als die Behebung daraus entstehender Schäden.

Um sich dieser Herausforderung ganz offen zu stellen, verpflichteten sich 60 Unternehmen im Frühjahr 2010 dazu, keine Bestechungsgelder zu zahlen. Doch ein Sieg gegen die Korruption erweist sich als überaus schwierig. Ausländische Partner werden von der russischen Regierung durch eine Vielzahl interessanter Angebote angelockt. So winken der Abbau von Zöllen und die Verringerung von Genehmigungserfordernissen. Als Leuchtturmprojekt soll das Innovationszentrum Skolkowo ausländischen Unternehmen besonders gute Investitionsbedingungen bieten und sich zu einer Technologieschmiede nach dem Vorbild des Silicon Valley entwickeln.

Strategische Neuausrichtung
Heute verfügt Russland über eine strategisch bedeutende Position zwischen der EU und China, die beide russische Rohstoffe benötigen. Doch die russische Regierung weiß auch, dass allein der Rohstoffsektor als wirtschaftliche Basis den Aufstieg des Landes nicht gewährleisten kann. Daher sollen neben den bestehenden Vorzeigeunternehmen in Luft- und Raumfahrt, Atomenergie und Militärtechnik weitere Industriebereiche modernisiert werden. Die Modernisierung Russlands bietet in erster Linie Entwicklungschancen für technologiestarke Unternehmen, die langfristig in kaum einem anderen Markt zu finden sein werden.

Insbesondere China wird auch in Russland als interessanter Partner gesehen. Beide Länder bewegen sich zudem mit großen Schritten aufeinander zu. Der neuen Partnerschaft im Energiebereich wird schon bald eine intensivere Zusammenarbeit im industriellen Bereich folgen.

 

Zum Herunterladen

Diese Seite bookmarken bei: